Exchange Plan 1

Ich weiß ja nicht, ob Ihr es wusstet, also: Man kann direkt bei Microsoft gehostete Mailboxen anmieten und mit der eigenen Domain nutzen. Bis vor Kurzem war ich davon überzeugt, das geht nur über Dritte, wie zum Beispiel über GoDaddy, die die Microsoft Mail Essentials als Dienstleistung anbieten. Das sieht auf den ersten Blick auch ganz günstig aus; im ersten Jahr kostet der Spaß 2,39€ pro Nase. Dafür schnalzt dann der Preis ab dem Folgejahr auf 5,99€ rauf. Okay, dafür hat man auch eine Onlineversion von Microsoft Office dabei und Onedrive.

Nutzt man Microsoft Hosting direkt, ist die Sache ziemlich eng gefasst: Man hat die Mailbox(en) mit je 50GB und kann die eigene Domain drauf mappen, und das wars. Todo ist mit inbegriffen, und wem es – wie mir – genügt, Mail, Kontakte und Kalender unter einem Dach zu haben und mit der eigenen Domain zu nutzen, sollte halt doch zum Schmidt gehen und nicht zum Schmiedel.

Es wurde kein Alt-Text für dieses Bild angegeben.

Der Microsoft Exchange Plan ist in ein paar Abstufungen zu haben. Was ich recht schön finde, ist, dass die Einrichtung der eigenen Domain, auch, wenn man sie bei einem anderen Anbieter gehostet hat, wirklich einfach ist. Da ist im Vergleich dazu die Einrichtung der eigenen Domain bei anderen Anbietern wie zB mailbox.org oder Google Workspace ein Tanz auf rohen Eiern. Was leider nicht geht, zumindest habe ich noch nicht herausgefunden, wie, ist es, zwei bestehende Microsoft Accounts zusammenzuführen. Das bedeutet in meinem Fall, dass ich Microsoft 365 mit Cloud auf einem outlook.at Account laufen habe und die Mailservices über die Domain.

Thematisch mache ich damit natürlich eine Flanke auf in Richtung Security & Privacy, aber das handle ich in einem späteren Beitrag ab. Nur ganz grundsätzlich: Ich vertraue rein schon wegen des Geschäftsmodells Microsoft ein wenig mehr als Google. Und ich vertraue darauf, dass man als zahlender Kunde (auch, wenn der Preis nun wirklich unbedeutend sein mag) eben nicht die Ware ist, sondern Kunde, und als solcher auch behandelt wird.

Ich wollte nur mal …

sagen, dass es nichts Neues gibt. Euch eine Nachricht hinterlassen, dass es keine neuen Nachrichten gibt. Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss und die erste Januarwoche ist meiner Meinung nach die faulste Woche des ganzen Jahres, besonders, wenn man Urlaub hat, das Wetter bescheiden ist und man einfach keine Lust hat, mehr zu tun als zu atmen, zu schlafen, den anderen in der Nähe zu haben und zu maunzen, dass man schon zu faul ist um faul zu sein.

In Sachen Literatur warte ich jetzt mal auf ein Lebenszeichen vom Main Verlag, der mein Manuskript Piero X unter Vertrag genommen hat, und der das Buch dieses Jahr herausbringen will. Ich denke nebenbei darüber nach, zwei nur schwer anbietbare Novellen selbst bei Amazon zu veröffentlichen.

Richard und ich denken darüber nach, die Faulheit zu überwinden und öfter Radfahren zu gehen. Und ich arbeite noch immer an der Hintergrundgeschichte des Romans, an dem ich gerade … nicht weiterschreibe. Vor allem deshalb, weil die Hintergrundgeschichte selbst zu einer eigenen Geschichte werden kann. Die Geschichte rund um die Geschichte sozusagen – sie löst sich vom Kern ab und entwickelt eine ganz eigene Gravitation, der ich mich nur schwer entziehen kann. Sie hat den Beigeschmack der lateinamerikanischen Fantastik, so wie sie von Jorge Luis Borges geschrieben wurde: Tlön, Uqbar, Orbis Tertius.

Aber ansonsten gibt es nichts Neues in Ottakring. Alles friedlich und ruhig.

Schreiben & Notieren

Ich bin ja jetzt seit recht kurzer Zeit auf Mastodon und da er gab sich ein kurzer Meinungsaustausch zum Thema Notizen. Derzeit schwenke ich gerade wieder einmal um (wie eigentlich immer zu Jahresbeginn) und wende mich nun wieder den guten, alten Spiralblöcken zu und denke darüber nach, mit Druckbleistiften zu schreiben, um mit die Herumeierei zwischen Gelrollern, Füllfedern und Kugelschreibern zu ersparen.

Bis gerade noch habe ich Produkte von Paper Republic verwendet; da habe ich mehrere Notizbücher und Kugelschreiber gekauft und anderes Zubehör. Durch die Verwendung dieser Produkte wurde mein oersönlicher Zugang zum Notieren sehr … manieristisch. Es schien mir immer mehr um das Getue zu gehen als um das Kritzeln & Notieren. Die Produkte von Paper Repblic sind allesamt von allerhöchster Qualität, was dann durchaus auch irgendwie blockierend wirkt. Ich fühlte mich oft gehemmt, die Perfektion der Produkte zu zerstören, in dem ich sie benutze.


Das Notieren geht bei mir immer sehr spontan und ich habe mich oft mit dem gedanken beschäftigt, mir im Lauf der Zeit eine Art Bibliothek meiner Gedankenwelten anzulegen, weil ich grundsätzlich alles querbeet aufschreibe: Einkaufslisten, Zitate, Termine, Ideen, Gedanken, Szenen & Sketches … nur ist das halt so: das einzig Zuverlässige in meinem Umgang mit Notizen ist meine Unzuverlässigkeit. Nicht nur, was die Regelmäßigkeit, sondern auch, was die Auswahl betrifft.

Wenn ich an einem Roman arbeite, notiere ich sehr viel in Notion. Es taugt mir, in diesem Tool mit Ideen zu spielen, diese untereinander zu verlinken und so eine Art Hintergrunduniversum zum Buchprojekt zu schaffen. Was hat das mit Papiernotizen zu tun? Ganz einfach: Die Grundlagen dazu schreibe ich oft nachts direkt auf Papier, weil es unmittelbarer ist, weil es direkter ist und ich mir keine Gedanken um Form und Ordnung machen muss. Das ist Gekritzel. Am nächsten Morgen übertrage ich dann die Kritzelei, so gut es gelingt, in Notion.

Auf den diversen Websites der Hersteller von Notizbüchern wird das Schreiben unendlich verklärt, zu einem Lifestyle hochstilisiert, und das hat mir eine Zeit lange recht gut gefallen, hat mich aber auch blockiert, das Notieren als das zu sehen, was es ist: Gedanken auf Papier werfen. Beim Schreiben auf und mit Paper Republic Notizbüchern kommt neben dem doch recht hohen Preis noch dazu, dass das Schreiben in den eingelegten Notizbüchern bzw Blöcken durchaus störrisch ist; hat man einen der teuren Lederumschläge wie dem Portfolio, dann liegen die ersten Blätter und die letzten Blätter der dünneren Notizbucheinlagen auf den innen angenähten „Erweiterungen“ nicht flach auf. Innen befinden sich ja auf den Umschlaginnenseiten Taschen und Laschen für Kredit- und Visitenkarten, Stifte und Zeugs. Das finde ich doch recht störend.

Zumindest für mich geht es beim Notieren an und für sich um Geschwindigkeit. Ich will das nicht zelebrieren, einen Tee aufkochen, das Buch nobel aufschlagen und edle Gedanken auf Papier bringen, die nach Pralinen und Schokolade duften, sondern ich will mein Hirn ausrotzen. Und das scheint zumindest bei mir mit Colleblöcken besser zu funktionieren. Ich meine, immerhin habe ich den Großteil von einem meiner schönsten Romane in einen solchen Collegeblock geschrieben: Im Palast des schönsten Schmetterlings. Am Ende lagen da zwei vollgeschriebene Blöcke vor mir, voller Schweiß Sand und Sonnenmilch, Tränen und eng beschriebenen Zeilen.

El Malecon, La Habana, Cuba

Hast du einen Lieblingsort, an dem du schon warst? Welcher ist es?

Das ist mein Lieblingsort. Dort spüre ich das Leben. In der Nacht, unter dem Mond, am Wasser, wo die jungen Leute tanzen, Rum trinken, rauchen, lachen und reden.

El Malecon, die kilometerlange Uferpromenade, auf der man von Miramar, über Nuevo Vedado und Vedado bis nach Habana Vieja gehen kann, wenn man es tagsüber in der Hitze und im Lärm der Autos schafft, und nachts, vorbei an Trinkern und Schwätzern, Anglern und Tänzern, Jungs, die vom Fußballspielen heimgehen, Mädchen, die nach Touristen Ausschau halten und Männer, die das auch tun. Musiker, die einem entgegenkommen oder vorauseilen, die Instrumente stimmen und nach Leuten Ausschau halten, die Lust auf ein paar kubanische Gassenhauer haben, Chan Chan, tú sabés?

Kaum wo ist Kuba kubanischer als am Malecon, wenn der Tag über den Rand der Welt gekippt ist und die lateinamerikanischen Geschöpfe der Nacht dich verwirren. Die Indios und Afrochinesen, Mädchen und Jungs, Frauen und Männer.

Dort singen sie A donde vas von Leonie Torres, sie singen laut und gut und mit sehr viel Gefühl. Dieter Bohlen würde weinen vor Glück. Das würden die meisten Menschen, die angesichts dieses einfachen Lebens nicht verstehen können, wie diese Leute so schön und so lebensfroh sein können.

Die Achau und Erwin

Im Sommer 1982, als ich das zweite Jahr in Bierdermannsdorf lebte und lose Freundschaften mit Jugendlichen in der Achau geschlossen hatte, lernte ich auch Erwin kennen. In Biedermannsdorf, wo ich unsterblich und totunglücklich in Walter Kroboth verliebt war und die offene und absolut ehrliche Freundschaft von Fritz Kling zu schätzen lernte, entwickelte sich eine weitere Freundschaft zu Reinhold Atlas, der später in unserer Teenagerversion von Tangerine Dream die Rolle von Edgar Froese übernahm; in der Achau lernte ich durch den Schlagzeuger Harald Giwiser seinen Bruder Klaus kennen, der damals, als langhaariger Schlaks, eine Vorliebe fürs Kiffen von Monsterjollys und elektronische Musik von Tangerine Dream und Klaus Schulze hatte.

Und auf einmal war Erwin da und es war, als wäre er niemals wo anders gewesen. Er war so alt wie ich, als knapp 18, dunkelhaarig, stämmig und auf burschenhafte Weise herb gutaussehend. Wir rauchten versteckt auf einem Spielplatz in der Achau in einer Holzhütte, gingen stundenlang spazieren und erzählten uns Geistergeschichten, und obwohl unsere Freundschaft sich so wunderbar selbstständig entwickelte, dauerte sie nur ein Jahr. Ich weiß nur noch, dass ich mich in seiner Gegenwart sicher, gewollt und frei fühlte. Vielleicht sogar ein bißchen geliebt – allerdings war ich damals einfach zu blöd, um das zu verstehen.

Es war nur ein Sommer – vielleicht ein Sommer und ein halber Herbst. Aber es war so bodenständig und innig, dass ich die Vibrationen heute noch wahrnehme.

UFOs gibt es … nicht!

Wenn man davon ausgeht, dass die uns bekannten Naturgesetze im gesamten Universum gelten, dann kann es sehr wohl sein, dass es “da draußen” anderes Leben gibt, vielleicht sogar intelligentes Leben, vielleicht sogar intelligentes Leben, dass sich zu einer Zivilisation entwickelt hat und ebenso wie wir in den Weltraum blickt und sich fragt: “Ist da jemand?” Die Naturgesetze lassen es einerseits sehr wohl zu, dass sich irgendwo auch in unserer Milchstraße Leben entwickelt hat, vielleicht sogar so weit, dass sie interstellare Reisen antreten können: Aber: Die Lichtgeschwindigkeit ist nun mal die Obergrenze der Übertragungs- und Wirkungsgeschwindigkeit. Selbst die härtesten außerirdischen Zivilisationen müssen sich dann mit hunderte Jahre langen Reisen durch das interstellare Medium abfinden, mit der Raumstauchung in Flugrichtung, der Härte der Gammastrahlung, der Zeit Dilatation, der Eigenzeit …

Es wird hunderttausende Zivilisationen da draußen geben, aber was hilfts, wenn die Zivilisationen so weit voneinander entfernt sind, dass sie im Rahmen der Naturgesetze, an die wir nun mal alle gebunden sind, einander niemals erreichen können?

Und damit zum Paradoxon: Würden wir uns weiterentwickeln und eines Tages mit einem “magischen Tschak” von Galaxie zu Galaxie reisen können, dort Planeten suchen, die in der habitablen Zone einer Sonne sind, dort Leben finden, eine Zivilisation – würden wir dann in Raumschiffen über hunderte Jahre hinweg jeden Landeanflug versemmeln und abstürzen? Uns beim Beobachten stümperhaft erwischen lassen? Spuren hinterlassen, obwohl wir vielleicht eine Direktive haben, keine Spuren zu hinterlassen? Warum sollen Zivilisationen, die hunderte Jahre durch das All fliegen können, sich dann am Zielort derart vertrottelt aufführen wie es hier in den Videos gezeigt wird?

Mastodon. Oder: Die Kathedrale und der Bazar

Wenn Leute den ganzen Tag, 24/7 darüber reden, dass man ihnen die freie Meinungsäußerung verbieten will, dass sie von linken Seilschaften und Geheimbünden verfolgt werden, dass man nicht mehr sagen kann, was ist, dann äffen sie einerseits die Pose von Thilo Sarrazin nach, der sagte: „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“, so als ob ihm jemand verboten hätte, etwas Bestimmtes zu sagen.

Oder, sie versuchen, das Banale, Austauschbare und Beliebige, das sie sagen und meinen, mit Bedeutung aufzuladen, in dem sie sich selbst und ihr Recht, sich auszudrücken, als gefährdet hinstellen. Dieses Jammerlappentum ist auf Twitter sehr weit verbreitet, und ganz besonders bei den Rechten, aber auch bei sehr sendungsbewussten Linken schwingt unter jeder geposteten Banalität mit: „Lest meine Texte, solange Ihr noch könnt! Ich werde gejagt. Man will mich verhindern! Damit ich Euch nicht mehr die Wahrheit sagen kann! Die ganze Wahrheit!“

Das klappte einst auf Facebook ganz gut und funktioniert jetzt auf Twitter. Natürlich ist jede Plattform letztendlich nur eine technische Lösung für menschliche Kommunikationsbedürfnisse, und natürlich kann jede Plattform mit Bedeutung aufgeladen und mystifiziert werden. Einzelne Bedeutungsträger wie Donald Trump oder Elon Musk bestimmen weit über ihre eigentliche gesellschaftliche Bedeutung hinaus den Diskurs um und auf solchen Social-Media-Plattformen und vergiften das Klima dort so lange, bis allen, die dort sind, das vergiftete Klima als Status Quo erscheint – also eh alles bestens.

Ich weiß nicht, ob die Leute das so wollten; diese Gewichtung der Meinung auf einzelne Meinungsanführer, ob links oder rechts – Twitter machte sich durch diese Form der Meinungsverteilung durch den genutzten Algorithmus absichtlich oder unabsichtlich zu einer Kathedrale der Meinung – sie bedeutet mehr als Fakten und Wissenschaft, es ist wichtiger, etwas zu meinen als etwas zu wissen. Deshalb ist Mastodon so verführerisch für Menschen wie mich: Es ist neu, das Meinungsgewicht ist verteilt, eine gute Zeit lange kann es funktionieren, dass man sich dort in den Bazar einfügt, die Verhaltensregeln neu erlebt und lernt. Twitter wirkt gegen Mastodon abgegriffen und schäbig, der Bazar erstrahlt hell in der Dämmerung, wirkt einladend und vielfältig.


Wert schaffen

Als ich jung war und zu arbeiten begann, im September 1980, war die österreichische Fernsehserie Ein echter Wiener geht nicht unter in. Die Geschichte eines polternden, lautstarken Wieners, der als Elektriker arbeitet und gerne Bier trinkt.

Ich denke nicht, dass es dieser Serie zu verdanken ist, jedenfalls war sie Ausdruck einer Haltung, ein gesellschaftlicher Konsens, mit dem ich aufgewachsen bin und den ich in mich aufnahm: Arbeit ist eine Zumutung. Eine Last, der man sich beugt. Arbeit ist etwas, das man tun muss, um sich das Leben leisten zu können. Wer sich dieser Doktrin nicht beugen wollte, war Kommunist, Linker, Hippie – oder, noch schlimmer, eine Privilegierter, der auf die Arbeitenden hinunterschaute, snobistisch und abgehoben und überhaupt …

Wer arbeitete, war einer der Guten, wer arbeitete und darüber sprach, war ein Besserer. Wer arbeitete und deswegen Tag und Nacht klagte, war ein Held! Alles war eine Strapaze, alles war ein Moloch, eine Plage, man selbst das Fleisch, das zwischen Zahnrädern aufgerieben wurde, damit es die oberen 10.000 gut und bequem haben und der Sonne in Capri beim Untergehen zusehen können.

Es ist sehr schwer, dieses Denken aus dem Kopf zu bekommen, vermutlich so schwer, wie man den Tinnitus überhören kann, wenn man ihn erst einmal ins Bewusstsein gelassen hat.

Arbeit ist freudlos, das Erarbeitete karg, und dazu passte das Gedicht

Du weißt nicht, wie die Blumen duften
denn Du kennst nur Arbeiten und Schuften
und so vergehen die besten Jahre
und plötzlich liegst Du auf der Bahre
und hinter Dir, da grinst der Tod:
Kaputtgeschuftet, Du Idiot

Diese Zeilen bringen schon die Zwiespältigkeit zum Ausdruck: Man soll arbeiten, man muss es tun. Man fügt sich dem Zwang und erkennt, dass es ein anderes Leben geben muss, mehr, als nur zu arbeiten.

Diese Gedanken sind wehmütig und zu aller Zeit nostalgisch.

Bemerkenswert finde ich im Rückblick, dass der naheliegendste Lösungsansatz erst durch ein Betriebsmodell zusammengefasst wurde, in dem es auch einige japanische Effizienzphilosophien gibt, die einen völlig anderen Zugang zum Thema Arbeit bieten.

Wer liebt, was er tut, muss nie wieder arbeiten. Das Wort Arbeit selbst ist vergiftet von der negativen Bedeutung, mit dem man es gepimpt hat.

Erste Gehversuche diverser HR-Abteilungen, den Menschen das Gefühl zu vermitteln, sie wären an der Schaffung von Wert beteiligt, zerbröselten, weil man sich gleichzeitig an der Hire & Fire Methodik großer US-Unternehmen orientierte. Ihr wisst ja, dieses unverbindliche Dauergelächle, mit dem man Lohnerhöhungen und Kündigungen über den Tisch schiebt.

Erst mit ITIL 4 wurde aus der Schaffung von Wert ein Betriebsmodell, das den Menschen ein neues Mindset mit an die Hand gibt. Ein in sich wunderbar abgestimmtes und vollkommen schlüssiges Konzept, in dem aus dem alten „Ich muss arbeiten, um über die Runden zu kommen!“ ein „Ich helfe mit, Mehrwert zu schaffen!“ wird.

Ich meine, wenn jemand wie Einstein zum Beispiel noch am Abend über seinen Theorien brütete, war das dann für ihn Arbeit oder war das für ihn die Schaffung von etwas, dass ihm Wert vermittelte? Wenn ich heute am Abend zu Hause auf der Couch sitze, Tee trinke und im Notizbuch Ideen aufschreibe, wie man eine übergreifende Betriebskoordination bestmöglich mit Leit- und Richtlinien abbilden kann, ist das dann für mich Arbeit, oder einfach das gute Gefühl, an etwas von Wert mitzuwirken? Niemand verlangt von mir, das zu tun und ich machs trotzdem, weil es mich interessiert, weil es mich beschäftigt und weil es ein gutes Gefühl ist. Ich bin in Resonanz mit dem, was ich tue, so wie vielleicht ein Bauer auf seinem Feld, ein Bauherr auf seiner Baustelle, ein Tischler über seinem Werkstück.

Das ganze gesellschaftliche Konzept von Schaffung von Wert durch Opfer und Leid bricht zusammen. Damit aber auch die darauf aufbauende Konsumgesellschaft, die auf Belohnungswünsche- und Mechanismen aufbaut. Wer durch die Arbeit, die er macht, belohnt wird (so wie es Mario Vargas Llosa ausdrückte: „Der Lohn des Schriftstellers liegt in dem, was er tut!“), sucht nach keiner kaufbaren Belohnung mehr. Nach keiner Dampfzigarette, einem Fetzchen oder Kleid.

Toyota Kata

Natürlich soll man nicht wie ein Eremit leben – geh bitte! Doch es ist schon einfach so: Wer durch das, was er tut, ausgefüllt und zufrieden ist, muss sich nichts kaufen, um zufrieden zu sein. Muss sich nicht belohnen. Die Vollkaskomentalität zerfällt zu Staub.

Nicht von jetzt auf gleich. Nicht heute oder nächstes Jahr. Doch bin ich sicher, dass sich Veränderungen am Horizont abzeichnen. Ein neues Mindset, was die Schaffung von Wert betrifft, ein anderer Zugang zu dem, was man Leistung nennt.

Eigentlich schöne Aussichten.    

Regenbogen

Okay, manche werden es schon gesehen haben, ich habe mein Website Icon geändert. Und zwar in diesen gemalten Regenbogen, ganz unzweifelhaft die Rainblowflag. Genau die meine ich. In diversen Postings im Internet habe ich inzwischen herausgelesen, dass es schon lange nicht mehr nur eine Rainbow-Flag gibt, sondern quasi eine für jeden Anlass.

Okay, manche werden es schon gesehen haben, ich habe mein Website Icon geändert. Und zwar in diesen gemalten Regenbogen, ganz unzweifelhaft die Rainblowflag. Genau die meine ich. In diversen Postings im Internet habe ich inzwischen herausgelesen, dass es schon lange nicht mehr nur eine Rainbow-Flag gibt, sondern quasi eine für jeden Anlass.

Meiner Ansicht nach geht damit das Vereinende, das ursprünglich gemeint war, verloren. Durch die Vielfalt der Symbole wird das, was vereint werden soll, zu etwas Beliebigen und Austauschbaren, wo man einen Tisch vermuten sollte, an den sich alle setzen, um zu reden, tun sich Gräben auf. Für mich ist und bleibt der Regenbogen einfach der Regenbogen. Das, was man sieht, wenn man aus dem Meer kommt und mit der flachen hand das Wasser aus dem Haar rubbelt, was man in den Augen eines Menschen sieht, den man liebt und von dem man geliebt wird. Ich sehe noch immer Hoffnung, Aufbruch, Reise, Abenteuer und ganz ferne Länder …

Ich mag die Vorstellung, dass meine Geschichten allesamt Sprühregen im Regenbogen sind. Sie müssen nicht Bestand haben, für ewig ins Universum gemeißelt. Kennt Ihr die wundervolle Kurzgeschichte über Salvador Dali von Ray Bradbury? Vielleicht war es auch nicht Dali, aber es war ein Maler seines Ranges. Er malte ein Bild in den Sand und ein Spaziergänger beobachtete ihn dabei und wollte das in den Sand gemalte Bild irgendwie vor der Flut retten, denn es war ja ein Bild dieses berühmten Malers, und der sagte dann leichthin, er hätte gelernt, dass alles vergänglich sei, auch die Kunst.

Damit kann ich mich anfreunden, und deshalb der Regenbogen als Symbol für Geschichten. Vergänglich, aber für den Moment vielleicht schön und das Glitzern über dem Wort LEBEN.

Piero X

Die Vorbereitungen für die Leserunde zu Cyborg me sind abgeschlossen und wir fangen demnächst an, gemeinsam das Buch zu lesen. Also die Leser, die teilnehmen, lesen es, und ich freue mich schon sehr auf die angeregten Diskussionen zu den einzelnen, doch recht kurzen Kapiteln.

Als nächste Publikation steht mein Roman Piero X auf dem Plan. Das Buch soll 2023 erscheinen, und die letzte Information des Verlags war, dass es im Frühjahr herauskommen soll.

Piero X ist mit Sicherheit der Roman, an dem ich am längsten gearbeitet habe, der am öftesten umgeschrieben, geändert und komplett neu zusammengeklöppelt wurde. Der Ursprung des Romans ist eine Novelle, die ich vor rund 15 Jahren schrieb, und in der ich die tragisch-grausame Geschichte von zwei Jungs erzähle, die in der Hitze eines Sommers auf dem Land, Ende der Siebziger Jahre, Freunde werden und immer tiefer in Gewalt und Wahn abdriften. Die Geschichte Mistah Zumbee erschien in der Anthologie, Wo die verlorenen Worte sind, im AAVAA Verlag im September 2011. Obwohl ich mit dieser doch schockierend brutalen Geschichte immer sehr zufrieden war, hatte ich immer das Gefühl, dass ich sie nicht abgeschlossen hatte. Mir fehlte die Verortung des Bösen, das von den beiden Jugendlichen Besitz ergreift, und damit die griechische Tragödie, die durch die Nähte und dünnen Stellen der Geschichte schimmert.

Den AAVAA-Verlag gibt es nicht mehr, und wenn Ihr irgendwo noch eine Ausgabe der Kurzgeschichtensammlung ergattern könnt, dann macht das. Es sind ein paar Geschichten drin, auf die ich sehr stolz bin. Nicht zuletzt deshalb, weil einige von ihnen eng verzahnt sind mit anderen, zum Teil bereits veröffentlichten Werken:

  • Der Radfahrer ist natürlich eine Geschichte aus der Welt der Kuba-Trilogie, mit besonders engem Bezug zu Der Falke im Sturm
  • Mistah Zumbee ist der zweite Teil eines Romans, der 2023 erscheinen wird: Piero X
  • Erinnerungen auf die Welt werfen gehört zu einer losen Abfolge von Geschichten und Romanideen, die ich unter „Der stille Planet“ zusammenfasse. Es gibt einen Kurzroman, der in diesem Erzähluniversum spielt, den ich vielleicht Ende nächsten Jahres veröffentlichen lassen will
  • Nibis Amida blickt zur Erde ist direkt mit Die Inseln im Westen verzahnt. Nibis Amida ist der Sohn von Arturo Gonzales und einer Außerirdischen. Und gleichzeitig der Fiebertraum eines erfolglosen deutschen Schriftstellers, der zurückgezogen auf der Insel Usedom lebt.

Jedenfalls machte ich mich vor rund fünf Jahren an die Arbeit, die Vorgeschichte von einem der beiden Protagonisten zu erzählen, und die Geschichte führte mich zurück in meine eigene Kindheit, in das Wien Mitte der Siebziger, in den zweiten Bezirk von Wien, in eine große Familie, zu Freunden und Hinterhöfe, dunkle Geheimnisse und Kleinkriminalität im Wiener Prater. Ich fand die Geschichte gut; sie war länger als Mistah Zumbee und ich nannte sie Mistah X. Erst später, als Sewastos Sampsounis vom Größenwahn-Verlag die Geschichte veröffentlichen wollte und wir gemeinsam an der Überarbeitung schraubten, wurde Piero X daraus. Da kamen wir auch drauf, dass es der in der Geschichte pulsierenden Spanungskurve guttun würde, wenn wir die Trennung von Geschichte 1 und Geschichte 2 aufheben und sie miteinander verschränken. So entstand diese gruselige und zum Teil schockierende Geschichte über Kinderfreundschaft und Verlust, Orientierungslosigkeit, Wahn und Gewalt.