Mehr Geschichte

Was mir gerade bei der Arbeit an meinem neuen Roman geschieht: Ich habe die Geschichte vor Augen, ich weiß, wie ich sie erzählen will und in welcher Tonlage. Aber auf einmal genügt mir das nicht. Durch die Einflechtung von Nebensträngen tun sich Handlungsmöglichkeiten auf, die auf den ersten Blick unglaublich reizvoll sind, jedoch die Gefahr in sich bergen, die Geschichte zu fragmentieren.

Ja, ich kann die Elemente einflechten, um den Nebenhandlungen mehr Bedeutung zu geben, frage mich aber auf der anderen Seite, inwiefern dies der gesamten Geschichte nutzt und welchen Mehrwert es bieten könnte, sie einzuflechten. Bislang habe ich ein Mordopfer (und dessen Geschichte allein ist schon recht tragfähig) und einen Mordermittler, einen Einbruch in zwei Hotelsuiten, bei denen zwar die Tresore in den Suiten geöffnet wurden, jedoch nichts gestohlen. Ich habe die Geschichte um zwei sehr unterschiedliche Polizisten, deren Wege sich kreuzen und einen Verbrecher, der mehr ein Getriebener seiner eigenen Kopflosigkeit ist, als ein echter Krimineller.

Und ich habe zwei Handlanger des unglücklichen Verbrechers, die das Potenzial haben, so richtig Unheil zu stiften. An und für sich ist das genug, um eine runde Kriminalgeschichte im Stil des Novel Noir zu erzählen.

Zusammenfassend könnte man sagen, dass der roman noir sich dadurch auszeichnet, dass er keine scherenschnittartigen Trennungen zwischen Gut und Böse vorstellt, sondern die Grauzone zwischen Gut und Böse, zwischen Schuld und Unschuld, zwischen individueller und kollektiver Verantwortung erforscht.[4] Darauf weist Jean-Patrick Manchette, einer der genauesten Kenner des amerikanischen und französischen Roman noir hin, wenn er diesen als „die große moralische Literatur unserer Zeit“ bezeichnet. (https://de.wikipedia.org/wiki/Roman_noir)

Würde ich die Nebenstränge verdichten und ausbauen, führte mich das weg vom angestrebten Erzählmodus und hin zu einem eher epischen Don Winslow Stil, dessen Schuhe mir noch ein Stück zu groß sind. Aber gut, ich werde es mal so machen, wie ich es immer mache – ich lasse es fließen und wenn ich ans Überarbeiten gehe, setze ich den Rotstift an …

Armas Ramos

Als ich die Arbeit am dritten Band der Elias-Trilogie beendet hatte, war mir bewusst, dass ich die Trilogie zwar abgeschlossen, die Geschichte aber noch nicht fertig erzählt hatte. Nicht ganz. Für mich war noch ein wesentlicher Teil offen, nämlich an der Bruchstelle zwischen dem, was Elias in seiner Owl Creek Bridge Geschichte erlebte, und dem, was wirklich geschah.

Denn: Elias gab es wirklich, auch außerhalb des Erzählraums, in den ich ihn gesetzt hatte. Stefan ebenso und auch den Ermittler des Morddezernats Alexis Cristobal Armas Ramos. Der tauchte schon in früheren Geschichten von mir auf, genauer gesagt in Die Inseln im Westen und in CODA- der letzte Tanz. Ich mag den Kerl einfach und finde, er hat einen ganzen Roman verdient. Außerdem will ich ergründen, was wirklich mit Elias geschah – außerhalb der Geschichte in der Trilogie.

Ich denke, ich fliege nochmal nach Gran Canaria und schau mal, ob Armas Ramos den Mord an Elias aufklären kann – und wie er das macht. Von der Stimmung stelle ich mir das vor wie die Conde-Romane von Leonardo Padura. Weniger Krimi als ein Stimmungs- und Sittenbild.

Wege zum Jazz

Als ich fünfzehn Jahre alt war und mit meinen Eltern in ein Haus in Biedermannsdorf zog, südlich von Wien, lernte ich die ziemlichen coolen Lugerbauer-Brüder kennen, die um einen Hauch älter waren, als ich. Alfred Lugerbauer studierte Gitarre an der Uni Wien, soviel ich weiß, und er liebte Mike Oldfield; hatte aber auch schon einen Fuß im Jazz.

Für mich war Jazz per se nichts, weil mir die Musik zu wenig greifbar war. So ein Zwischending zwischen „Easy Listening“, Alternative und trotzdem noch genießbar für junge Ohren waren eben die Tracks von Mike Oldfield, Vangelis und Tangerine Dream. Auf der anderen Seite stand Hardrock und Bombast Rock wie zum Beispiel von Emerson, Lake & Palmer. Uns gefiel auch Stratos von Billy Cobham und die konzeptionelle Musik von YES.

Kunstvoll empfanden wir auch damals schon die Musik von Peter Gabriel. Jedenfalls: ja, wir suchten und fanden alternative Musik, weil bei uns im kleinen Biedermannsdorf der Konsens unter uns Jungen herrschte, man müsse eine andere Art von Musik hören, als alle anderen. Unsere Mode war Musik, und wir trugen unseren Musikgeschmack vor uns her, wie Flaggen.

Mein Musikgeschmack blieb diesbezüglich ziemlich konstant. Da gab es einerseits die großen Elektroniker wie Tangerine Dream, Klaus Schulze, Vangelis, Ashra Temple, andererseits kunstvollen Pop. Und ein drittes Standbein, das ich von meiner Kindheit über meine Jugend ins Erwachsenenalter mitnahm, war Filmmusik. Hauptsächlich John Williams, Jerry Goldsmith, James Horner und Ennio Morricone. Später kam noch Hans Zimmer dazu, der mich aber im Laufe der Zeit mit seiner zum Bombast aufgeblasenen Beliebigkeit zunehmend langweilte.

Im Februar machte ich Bekanntschaft mit der Serie Harry Bosch auf Prime und es kam so, wie es bei mir immer kam, wenn mehrere Ereignisse gut geölt ineinander klickten: Ich fand etwas Neues. Die Serie erzählt die Geschichte von einem Detective des Morddezernats Hollywood, Los Angeles. Irgendwann vor Beginn der Serie hatte er einen Fall gelöst, der von einem Hollywoodstudio verfilmt wurde. Das Honorar für die Geschichte verschaffte ihm genug Geld, um sich ein Haus in den Hollywood Hills zu kaufen. Samt Terrasse und verglasten Wänden. Harry Bosch hörte immer Jazz, wenn er zu Hause Mordfallakten wälzte und in Kombination mit dem Blick über Los Angeles hatte es mich erwischt. Harry Bosch, gefilmt durch die wandhohen Fensterscheiben seines Hauses, dazu Art Pepper oder John Coltrane … Anheimelnd auch, dass er in der in unsere Zeit verlegten Serie die Musik auf einem Plattenspieler hört. Ich verschaffte mir einen Überblick über Cool Jazz – also um ehrlich zu sein, ich bin noch mittendrin. Was mich von Anfang an beim Jazz ansprach, seitdem ich mich damit befasse, ist, dass diese Musik emotional sein kann, ohne dabei schmalzig, kitschig oder teeniehaft-raunzend zu sein. Dazu kommt die aus den Aufnahmen heraushörbare Spielfreude der Musiker und wie gut sie aufeinander eingestimmt sind. Das ist noch gutes, altes Musikhandwerk und auch wenn die Musik zum Teil sperrig ist und nicht nach Gefälligkeit schielt, so macht doch gerade das für mich den Reiz aus. Cool Jazz kommt herrlich unprätentiös daher und konzentriert sich auf sich selbst. Ich mag das Emotionell-Dreckige und das Rauchige dieser Musik. Aktuell gefällt mir Jazz, der sich auf Klavier, Bass und Saxofon beschränkt.

Ich freue mich schon auf die lauen Nächte, die bei uns so ab Mai häufiger werden. Weiterschreiben an einem neuen Roman, Balkontür offen und Art Pepper im Hintergrund. Ich denke, da kann man nicht viel falsch machen.

Richards Gemälde

Vorgestern habe ich das Wort ENDE unter das Rohmanuskript meines neuesten Romans geschrieben. Die Geschichte unterscheidet sich in sehr vielen Aspekten von früheren Werken. Der wesentlichste ist vielleicht, dass ich mich diesmal nicht auf junge Leute konzentriere, die an der Schwelle zum Mannsein in dramatische Probleme geraten, sondern auf zwei Senioren, die nach tragischen Verlusten zueinanderfinden und lernen, einander dabei zu unterstützen, im Alter das Leben weiterzuleben.

Der Roman führt die Geschichte von Der Sturmgondoliere fort, aus einer anderen Perspektive, mit neuen Akteuren und mit alten Freunden. Handlungsorte sind Wien, Bled, Triest und Montaione. Eine weitere Verschränkung habe ich mit dem Roman Fluchtgemälde hergestellt; ja, auch in diesem Roman geht es um magische Malerei. Um das, was Kunst vielleicht kann.

Die gewichtigsten Handlungsbeiträge im aktuellen Roman kommen von Personen, die nicht mehr am Leben sind, aber eben noch nachwirken. Als Geister, als Inspirationen, als Wegweiser in ein neues, altersweises Leben. Mir gefällt die Idee, Geister nicht als etwas zu beschreiben, vor dem man sich fürchten muss, sondern als etwas, das gleichberechtigt neben den Lebenden steht und wirkt.

Der Roman ist schwer einzuordnen. Eines der stärksten Merkmale dieses Manuskripts ist gleichzeitig seine größte verlegerische Herausforderung: Es lässt sich nicht in eine einzige Schublade stecken. Es ist kein Krimi, kein Liebesroman, kein Reiseroman — und doch ist es ein bisschen von allem. Die Zielgruppe ergibt sich deshalb nicht aus einer einzigen Schnittmenge, sondern aus mehreren überlappenden Leserkreisen, die sich um je ein zentrales Thema des Buchs organisieren.

Was mich interessiert hat

Ich wollte einen Roman schreiben, der von Trauer handelt, ohne ein Trauerroman zu sein. Der von Alter handelt, ohne ein Altersroman zu sein. Der von Geistern handelt, ohne ein Geisterroman zu sein.

Die Geister in diesem Buch sind nicht gruselig und nicht metaphorisch. Sie sind einfach da — mit Piercings, Boxershorts mit bunten Smileys und dem Geruch von Teichwasser und Melonen. Was sie wollen, ist konkret: eine letzte gute Tat – ganz im Sinne ihrer Mutter. Einen alten Mann aus seiner Einsamkeit herauslotsen. Das erscheint mir glaubwürdiger als jede psychologische Erklärung, die ich hätte anbieten können.

Ich war außerdem daran interessiert, schwule Seniorenliebe als das zu erzählen, was sie ist: unspektakulär und tief. Frank und Richard haben nicht fünfzig Jahre damit verbracht, ihre Beziehung zu verteidigen. Sie haben gekocht, gereist, gestritten, Pierogi gegessen und sind sich gegenseitig auf die Nerven gegangen. Das ist die Geschichte. Die sexuelle Orientierung der Figuren ist kein Thema — sie ist einfach Teil von dem, was sie sind, so wie die Tatsache, dass Frank Muskateller trinkt und Richard Zigarillos geraucht hat.

Der Roman spielt auch mit der Frage, was Kunst kann. Richards Gemälde zeigen eine Zukunft, die noch nicht da war. Lucians Gemälde zeigen ein Leben, das nie stattgefunden hat. Ich habe das nicht als magisches Kunststück gemeint, sondern als ehrliche Frage: Ist nicht jedes gute Kunstwerk ein Fenster in eine Wirklichkeit, die noch nicht existiert — oder nie existiert hat — und die trotzdem wahr ist?

Die Verzahnung mit meinem Roman Der Sturmgondoliere, der 2016 im Größenwahn Verlag erschien, ist offensichtlich und wie ich hoffe, gut geölt.

Jetzt drehe ich mal eine Überarbeitungsrunde und dann schicke ich den Roman los. Mein Wunschverlag dafür ist der Main Verlag, der schon meinen Roman Piero X veröffentlichte und den ich in guter Erinnerung habe als konstruktiver, verständiger Partner.

Die Reisen meiner Notizbücher

Nein, ich erzähle Euch nicht, was genau ich in meine Notizbücher schreibe, ob ich ein Konzept habe, wie ich sie nutze und ob ich meine Herangehensweise bisweilen überdenke. Zumindest nicht in diesem Posting.

Gestern Abend habe ich in meinen vollgeschriebenen Notizbüchern und abgelegten Refills von Paper Republic nach einer bestimmten Information gesucht. Eigentlich unwichtig, aber ich verbeiße mich dann immer so in eine Sache, dass ich nicht aufgebe, bis ich gefunden habe, was ich suche oder sicher bin, dass es in der Zeit verschüttet wurde. Gestern habe ich die gesuchte Information gefunden, eine kleine Erinnerungsnotiz in einem zerfledderten Notizbuch von 2012.

Und ich habe noch etwas gefunden. Die Erinnerungen daran, wo die Notizbücher mit mir schon überall gewesen sind: Das Zerfledderte war mit mir in Kroatien (Porec), in den Niederlanden (Haarlem, Amsterdam, Schiphol Rijk), Gran Canaria, Kuba. Es ist voller Schmierflecken (ich denke, von Sonnenmilch und Schweiß) und ich habe während der Nutzung öfter den Stift gewechselt. Andere Bücher waren in Polen, Ungarn, Rumänien, in Städten, auf dem Land, an Seeufern und in tiefen Wäldern.

In einem anderen habe ich Spuren von Sand gefunden, Eintrittskarten für eine Party in Havanna, Karten für die Seilbahn der Dachsteinsüdwand, Notizen über Radiosender, Musiker, Telefonnummern neben unleserlichen Namen, Listen mit Speisen, die wir zu Abend hatten, und abgegriffene Visitenkarten mit unleserlichen Notizen auf den Rückseiten. Es sind keine Notizbücher mehr, es sind Geschichtsbücher. Sie sind voller Leben, sie summen und vibrieren.

Anders als Noteapps, haben Notizbücher ein Leben. Sie sammeln es in den Jahren ein, in denen sie befüllt werden, und sie konservieren das Leben zwischen den Seiten, zwischen Buchdeckel und Buchrücken. Solange sie geschlossen sind, haben sie ein geheimes Leben und es offenbart sich, wenn man sie öffnet. Ein Notizbuch zu befüllen ist etwas anderes als Informationen in eine Noteapp zu clippen. Es ist ein Moment des „Ganz bei sich sein“, man schreibt nicht, um sich später zu erinnern, sondern um sich im Moment des Schreibens (Werbeslogan von Fieldnotes) zu erinnern.

Ein neues, altes Projekt

Mein neues, altes Romanprojekt, nachdem ich den dritten Band der Elias-Trilogie beendet habe, begann ich vor der Trilogie und habe die Arbeit daran unterbrochen, weil ich mich verzettelt habe. Ursprünglich ist es eine SF-Geschichte, die so tut, als wäre sie in den Sechzigern geschrieben worden, also mit dem Wissensstand der Sechziger in Bezug auf unser Sonnensystem. Die Handlung spielt im Jahr 1981 – also in einem 1981, wie man es sich in utopischen Romanen früher so vorgestellt hat.

Buch 1

Die Franzosen bauen gemeinsam mit russischen Wissenschaftlern in einer geheimen Basis am Lac du Salagou in Frankreich eine geheime Raketenbasis und dort ein Raumschiff namens Bellerophon. Der französische Schüler Elias Beaumont stolpert bei einem misslungenen Selbstmordversuch in diese Basis, und zwar durch einen der „Feuerschächte“, durch die die brennenden Austrittsgase der startenden Rakete abgeleitet werden und wird von einem jungen Maschinisten gerettet. Da der Start vorverlegt wird, und die Basis hermetisch abgeschlossen wird, bleibt ihnen kein anderer Weg, als mit dem letzten Beladeroboter an Bord des Raumschiffs zu flüchten und mit ins All zu fliegen.

Grund für die Mission ist das, was die russische Venera-Sonde in den letzten Sekunden sendete, bevor sie aufhörte, Daten zu schicken. Die ersten Minuten der Übertragung ergeben ein Bild der Venus, wie man sie heute zu kennen meint: über 90 Atmosphären Luftdruck und rund 450 Grad Hitze. Das scheint aber ein Fehler im Computersystem der Sonde gewesen zu sein, denn in den letzten Sekunden öffnet sich das Verschluss-System der Kamera und man sieht für ein paar Augenblicke einen üppigen Dschungel voller sich umschlingender Pflanzen …

Auf der Reise, nachdem sie ertappt wurden und an Bord Aufgaben zugewiesen bekommen, entdecken Elias und sein Retter, der exilkubanische Soldat und Maschinist Kevin Yunior Aguilar, das Geheimnis des überragenden Computersystems der Bellerophon und müssen eine Entscheidung von enormer Tragweite treffen …

Buch 2

Der zweite Roman, den ich als Rahmenhandlung erzählen wollte, und den ich nun wirklich als eigenständigen Kurzroman schreiben möchte, erzählt die ebenso geheimnisvolle wie tragische Entstehungsgeschichte des ersten Romans: Ein altes schwules Ehepaar unternimmt mit dem Auto eine Europareise und als sie in Frankreich nahe der Gemeinde Celles, am Ufer des Stausees Lac du Salagou ein Haus anmieten, findet einer der beiden nicht nur einen Zeitungsartikel aus den Sechzigern, der sich mit der Literaturszene der SF-Autoren Frankreichs befasst, sondern auch unter einem Verschlag ein handgeschriebenes Manuskript. Er findet heraus, dass der Buchbinder und Verleger, der in den Sechzigern eine kleine Literatengruppe um sich geschart hat, des Mordes an einem der Schriftsteller beschuldigt, aber nie überführt werden konnte. Seine verwirrenden Aussagen zum Werk des ermordeten Schriftstellers wurden belächelt, lebten aber als Legenden weiter. Angeblich war der ermordete Schriftsteller in der Lage, Wirklichkeiten herbeizuschreiben und der Mord sollte ihn daran hindern, eine katastrophale Umdeutung der Wirklichkeit zu verfassen. Solange niemand das Werk des ermordeten Autors liest, geschieht nichts. Aber wehe, jemand liest sein letztes, verschollenes Manuskript …

Schreiben im Herbst

In Wirklichkeit kann man ja zu jeder Jahreszeit schreiben, wenn man sich mal seine Routinen geschaffen hat. Und man kann überall schreiben, wenn man die Utensilien dabeihat und sich unabhängig macht von Ort und Werkzeugen. Also ich meine, man kann an einem See in den tiefen Wäldern Nordpolens sitzen und in ein Notizbuch schreiben oder in einem Stiegenhaus, mit dem Laptop auf dem Schoß. Man kann im Sommer in der größten Hitze schreiben und zusehen, wie einem der Schweiß von der Stirn direkt auf das Blatt Papier tröpfelt – hat auch was.

Ich mag den Herbst besonders gerne. Die Monate September bis November, wenn sich das Wetter beruhigt hat, wenn es kühler wird, das Laub im Nebel leuchtet – das ist die Zeit, in der ich besonders gerne schreibe. Das ist die Jahreszeit, die ich am intensivsten mit dem Wort „Literatur“ in Verbindung bringe.

Der Herbst ist zum Lesen da und zum Schreiben. Es ist auch die Zeit, sich auf den Winter vorzubereiten, öfter zu Hause zu bleiben und das „Angesammelte“ zu genießen; die Früchte der Ernte.

Ich schreibe nun intensiver an meinem aktuellen Romanprojekt. Den Arbeitstitel habe ich von „Im September“ in „Eine toskanische Geistergeschichte“ geändert und ich glaube, unter diesem Titel werde ich es voraussichtlich nächstes Jahr im Frühjahr meinem Verleger anbieten.

Im Herbst einen Roman über unheimliche, über tragische und schöne Ereignisse in der Toskana zu schreiben, hat etwas vom wohligen Gefühl, sich eine Decke über die Schultern zu ziehen und an einer Tasse heißen Tee zu nippen, während draußen das Laub aus den Bäumen rieselt.

Okay, es kann auch ein frisch gezapftes Bier sein …

Das Jahr kippt

Klicke mich gerade durch ein paar Urlaubsfotos auf Instagram und denke: Irgendwo tanzt immer irgendjemand bis zum Morgengrauen. Ein gut aussehender Influencer postet Urlaubsbilder aus Jalé, Albanien, und das scheint der neue, heiße Scheiß zu sein. Drei Postings vorher war er in Opatia, das ist zwar alter Scheiß, aber immer noch gut, ähnlich wie Piran in Slowenien. Draußen wirft der Wind Regen an die Scheiben; insgesamt tut der frühe Herbst der Seele gut, wie kühle Seide auf erhitzter Haut.

Ja, es herbstelt leise vor sich hin und das Wetter hatte die frühherbstliche Stille und Qualität, die sich sehr gut mit mildem Kaffee und frisch gezapften Bier verträgt. Die Weiterarbeit an meinem Romanprojekt Im September umkreise ich wie eine Katze eine Schüssel voll heißer Milch. Wie es weitergeht, weiß ich, habe aber wieder einmal das Gefühl, dass die reine Idee an und für sich nicht tragfähig genug ist, um einen Roman zu stützen. Ich vermute, ich erleide gerade wieder einen dieser literarischen Schwächeanfälle, die mich an allem zweifeln lassen. Geht mir eh bei jedem Romanprojekt so. Dabei ist es bei diesem Projekt ein wenig anders: Die Geschichte ist nicht handlungsgetrieben, sondern erkenntnisgetrieben. Es ist das „Wie“: Wie die Erkenntnisse eingefügt und erlebt werden, und was sie bei den beiden Protagonisten bewirken, deren einzige Verbindung die Trauer über den Tod geliebter Menschen ist. Und wie aus diesen Erkenntnissen für die beiden Senioren Lebensfreude wächst. Das mag zwar nur wenig aktionsgesteuert sein, kann aber doch auf sehr schöne Art funktionieren, wenn ich mich dazu durchringen könnte, endlich weiterzuschreiben, ich fauler Sack.

Die Elias-Trilogie ist fertig, der dritte Band mit dem Titel Du bist der Totem ist nun im Handel erhältlich und ich lade Euch alle ein, den dritten Band zu lesen, wenn Ihr schon Du warst der Plan und Auf dieser Frequenz gelesen habt. Begleitet Elias Mataanoui auf seiner Reise durch Afrika bis ins Nest von Le Fantom. Ich denke, die Trilogie schließt würdig ab und ist wirklich zu Ende erzählt.

Anmerkung: Für die Coverfotos war ursprünglich angedacht, Fotos von zwei Wiener Influencern zu verwenden, und zwar von zwei durchaus erfolgreichen Burschen namens Stefan und Elias, die für mich als Vorbilder für die beiden Hauptrollen der ersten beiden Romane Pate standen. Ich habe beide kontaktiert und sie darum ersucht, mir zu erlauben, je ein Foto von ihnen für die Umschlaggestaltung nutzen zu dürfen – mit Erklärung, worum es in den Romanen geht und wie groß, bzw. klein die zu erwartende Auflage sein wird.

Ich habe bis heute von beiden keine Antwort erhalten.

Bei Richard und mir steht für heuer noch eine Woche in Alicante an. Diesmal mit der Familie. Wieder in einem Privatquartier in der Altstadt, nahe beim Hafen und der Playa Postiguet.

Rückkehr nach Montaione

In meinem neuen Romanprojekt kehre ich nach Montaione zurück, das in meinem Roman Der Sturmgondoliere der Ort der Handlung war. Wir werden vielleicht wieder Julia treffen, die als junges Mädchen in einen Geist verliebt war, der Paolo hieß. Und auf Samuele, der auch noch als Erwachsener immer wieder zu den Ruinen eines niedergebrannten Weinguts geht und sich dort unerklärlich traurig fühlt. Und wir werden ein wenig mehr über diesen aus der Zeit gefallenen Ort erfahren, in dem es kaum Internet gibt, wo es geflüsterte Geheimnisse gibt und Gewitterwolken, die wie Geister aussehen …

Fortschritte

Manchmal muss man ein Manuskript nur mal ein wenig ruhen lassen. Dann ergibt sich oft wie von selbst ein Weg, wie weitererzählt werden kann.
Im Roman „Im September“ will ich ja die Geschichte eines 75-jährigen Mannes erzählen, der nach dem Tod seines Langzeitpartners nach fünfzig Jahren Ehelebens versucht, nicht im Sumpf aus Einsamkeit und Trauer zu versinken und eine Reise unternimmt. Mein Vorhaben ist, den ersten Teil des Buches als Drama zu erzählen und dann langsam die Handlung in eine Komödie überzuleiten. Was mir dazu fehlte, war ein Initialzünder, und den habe ich in den letzten Tagen entwickelt und weitergeschrieben. Gestern habe ich abends rund 10 Seiten geschrieben und es geht gut voran. Ich halte wenig von Screwballhumor, werde aber Elemente daraus einfließen lassen, wenn mein Hauptcharakter Frank zwei jugendliche Ausreißer aufgabelt und sich bereit erklärt, diese zu ihrem Großvater zu bringen. Doch die Zwillinge Mattia und Samuele haben es faustdick hinter den Ohren und werden das Leben von Frank, dem Hauptcharakter, ganz ordentlich durcheinander wirbeln. Ich denke, es wird eine sehr schöne Geschichte und ganz anders, als meine früheren Romane …