Jeder ist die ganze Welt

Wir gingen Hand in Hand
durch Wüstensturm und Regen,
wir gingen in das Land
aus Blut und Gelächter und
weiter, bis wir an der Küste standen
und der Hunger nach Leben uns verschlang

Wir atmeten Brust an Brust und
Lippe an Lippe, wir waren jeder
für den Augenblick die ganze Welt des anderen:
Nie hatte das Meer einsamer und eifersüchtiger
an unseren Füßen gezogen als in diesem Moment,
nie rollte es kraftvoller als jetzt, da es machtlos war

Wir griffen in den Himmel und küssten uns
wir griffen hoch in das wütende Grau und
wir fassten darüber hinaus die Metallkante des Horizonts
und uns widerfuhr nichts und wenn unsere Hände bluteten
von der Schärfe der Welt, dann mischten wir unser Blut
und unser Blut mischte sich mit dem Gelächter des Meeres

Wir kämpften uns zurück ins Land
durchwanderten die Sierra Maestra und furchtbare Wälder
voll wütender Lust und Tod kämpften uns hoch und höher,
die Berge hinauf bis unsere Köpfe in den Wolken verschwanden
bis unsere Leiber aneinander vibrierten und unsere Hüften
miteinander kämpften um Geben und Nehmen

Und das alte Tosen war um uns und in uns
und wir teilten es mit dem Himmel und der Erde
wir teilten Nässe und Schamlosigkeit und
das Donnern umfing uns wie eine Hand und schützte uns
und wir konnten nicht aufhören, Engel zu sein, die
einander zur Erde warfen und herrschten, um beherrscht zu werden

Und wir blieben, bis unsere Augen vor Erschöpfung weinten
und unsere Seelen von der Liebe blind und erschlagen
und unser Atem zu Silber verwoben weit und weiter zog und
von uns kündete, von uns sang und für uns kämpfte
mit dem Schwert der Wahrheit und des Verlustes, mit
all der Liebe, die wir im Fallen verschenken konnten,

jeder die ganze Welt des anderen
jeder der ersehnte Atemzug
jeder der Puls der Sterblichkeit und
jeder die Brust, die sich senkte und hob
jeder all die Leidenschaft und Unvergesslichkeit
jeder nur ein Wimpernschlag Ewigkeit; Jetzt!

Stricherelegie

Schlussendlich bist Du es Leid allein zu sein und wappnest Dich für das Leben, das Du plötzlich in Dich dringen lassen willst. Du atmest mich an, während Du mir sagst, allein sein ist cool, aber cool sein ist nicht alles. Dein Atem riecht nach Minze, gut: Die Stadtgeräusche sind zwischen Dir und mir, das Licht der Welt ist ebenda und irgendwo bellt ein aufgeregter Hund.
Du senkst den Blick und denkst nach, ich schenke Wodka in die Pappbecher – Die Stadtgeräusche sind zu laut für uns, und wir gehen weiter hinaus zur Donau und nicht ins „Flex“, wie wir ursprünglich vorhatten.
Du willst mit mir über Einsamkeit reden, und ich nehme Dich, ich nehme Dich beim Wort.
Denn Dein Wort ist mir heiliger als Du denkst Du clevere, kleine Hure. Gestern fühlten wir uns müde, Du & ich und das Gespräch kam nicht in Gang. Ich weiß, Du wolltest etwas Wichtiges sagen, es brannte Dir auf den Nägeln, aber: Zwischen den Worten und unter dem gleichgültigen Mond, auf der Promenade am Donaukanal bist Du in meinen Armen eingeschlafen und ich habe Dich aufrichtig geliebt – wie schön Du warst im Zwielicht der Stadt, wie unschuldig für den Moment.
Heute sind wir in der Dämmerung raus aus der hitzeschwangeren Innenstadt und durch den zweiten Bezirk über die Donau, um allein zu sein, zu rauchen, zu reden und vielleicht eine Chance aus dem Diamantenstaub des nächtlichen Himmels zu schütteln.
Ich werde Dich heute Nacht nicht mit Geschwurbel langweilen und auch nicht mit Vorschlägen, wo wir junge Türken finden können, die sich billig geben, von Stricher zu Stricher, und uns niederficken. Heute geht es um uns, und Du sagst noch mal: Allein sein ist echt cool. Aber irgendwie zu wenig.
Ich gebe Dir recht und schau in deine Augen: Hab ich Dir je gesagt, dass Deine Blicke Gänsehaut verursachen und mich völlig verstrahlt neben Dir zittern lassen? Du hast diesen glänzend feuchten Blick, der Schwänze hochwichst und Brustwarzen versteift.


Schön, mein Freund, heute ist die Stadt auf unserer Seite, sie umfasst uns zärtlich und blinkt Katzengold aufs schwarze Wasser der Donau. Der frühe Herbst macht die Nächte kühler, Laub treibt auf dem Strom, wir werfen die Becher in Kübel und gehen auf der Promenade am Wasser entlang.
Du hakst Dich bei mir ein und lächelst, dass mir die Luft wegbleibt – Du hast jede Menge Magie in Dir. Obwohl wir beide kleine Stricher sind und Junkies, ist noch Zauber in uns, und auch die Bereitschaft, Magie zu erkennen; so clever bist Du also gar nicht.
Du willst den magischen Moment mit hingerotzer Spucke überspielen, aber ich kenne Deine Tricks: Zu viel Bahnhof und komische Kunden in unserem Leben, na los, lächle bitte noch mal so wie eben.
Komm, sag ich, sei mein Freund. Nicht nur mein Partner auf dem Strich. Nicht nur eine Zunge, die meine Lippen für den Freier aufblühen lässt. Lass uns abhauen aus der Szene und den Routinen drogenvernebelter Stricher die wir in Wirklichkeit sind.
Konnten wir als billige Jungs je die Stadt sehen, wie sie sich uns heute zeigt? Konnten wir je so nebeneinander gehen, ohne dauernd die Jeans über unsere knackigen Ärsche für potenzielle Kunden hochzuziehen, die T-Shirts über den Bauch nach oben zu schieben?

Heute gibt es keine Kunden, keine lästigen Jungschwestern, die es gratis wollen. Heute gibt es den launigen Mond, das Wasser und uns.
Wir bleiben stehen, sehen uns um. Dann setzen wir uns ans Ufer und lassen die Stadt und ihren Sound außer Acht.
Du legst Deinen Kopf auf meinen Schoß und beginnst Sterne zu zählen, jetzt riecht Dein Atem nach Wodka, aber er ist warm und macht mich süchtig.
Du sagst: Küss mich, und ich tu es. Blut rauscht in meinen Ohren, Du fasst in meine Haare und hältst mich fest – Dein Kuss ist gut, an fetten Freierslippen trainiert, unsere Zungen sind wie Kinder in einem Märchenwald – ich glaube an Deine Aufrichtigkeit, wie geübt sie auch sein mag.
Du bist müde, ich weiß, müde von all den Versprechen und weinerlichen Schwüren. Du bist müde von den langen Nächten in Hotelhallen, Bars; und den echt miesen Nächten auf der Gasse oder in wanzenverseuchten Betten von Stundenhotels, ich weiß es, weil ich genauso müde bin wie Du.
Ich bin nicht einfach nur allein, sagst Du, ich bin einsam. Und will das nicht mehr sein, hörst Du?

Wir küssen uns noch mal, so schläfrig, so gut.


Ich ziehe die Knie an und lege mich auf den tageswarmen Beton, Dein Kopf auf meinem Schoß ist gut, echt gut sogar, der Joint pfeift rein wie ein Tornado, der Himmel ist weit wie schwarzer Samt voll Diamentenstaub – an Reichtum denken wir jetzt nicht.
Ich wuschle Dein Haar, Du leckst meine Hand und wir lachen
heiser.
Dann weinst Du kurz und ehrlich, trinkst Wodka aus der Flasche, und das bringt mich auch zum Weinen & so heulen wir beide & trösten uns Stirn an Stirn, Nase an Nase, Träne an Träne.

Ja, sage ich, lass uns aufhören, cool zu sein. Das ist doch bloß Beschiss hoch vier, wenn Du mich lässt, will ich Dich lieben, bei Dir sein, komm, sei mein Freund.
Fick mich jetzt unter diesem sturzbetrunkenen Mond, nimm mich und meine Worte, mein Lachen und meine Tränen, spann mich auf und atme mich an: Ich rieche ebenso noch Wodka, und alles und jedes wird gut. Alles und jedes wird gut.
Jetzt lächelst Du wieder, ich lecke Deine Tränen von den Wangen und ich sehe, dass der Mond in Deinen Augen schallend lacht und sich mit uns freut.


Denn wie ich schon sagte: Heute ist die Stadt auf unserer Seite, mit all ihrem Sound und Glanz und Leben.

Und ab jetzt sind wir das auch.

Jetzt sind wir, aus der Ferne gesehen, zwei Zeichentrickfiguren, die zum großen Mond gehen.

Hand in Hand. Das ist gut.

Mit dem Geschmack von Küssen und Tränen im Mund.

Das ist besser.

Und Dein flinkes Lächeln schlägt Wurzeln in meinem Herz.

Das ist vielleicht das Beste.

Notizen: Völkerrecht

[…] es gibt nun mal Werte, die dauerhaft und unverbrüchlich sind und damit die Grundlage für eine zivilisierte Gesellschaft bilden: Völkerrechte, Menschenrechte, Grundrechte. Diese Grundwerte sind fundamental und nicht beliebig. Das wissen Juristen und Völkerrechtsexperten, die allesamt hinzugezogen wurden und werden, wenn es um den Beitritt zur EU geht.

Und ein gemeinsames gesellschaftliches Fundament zu haben, bedeutet keinesfalls, die Eigenschaften und Stärken der einzelnen Mitgliedsländer zu schwächen oder zu negieren. Andererseits frage ich mich, durch welche besonderen Eigenschaften und Stärken sich der Ungar von mir unterscheidet, der Tscheche, der Slowake, der Slowene oder der Deutsche – um nur ein paar zu nennen?

Atim

Eine der komplexesten Figuren, die ich je ersonnen habe, ist Atim Janson. Er spielt eine sehr wichtige Nebenrolle im Roman Auf dieser Frequenz. Der Roman bildet den Mittelteil der Elias-Trilogie. In dieser Geschichte wird Stefan, der beste Freund von Elias, der Hauptfigur der drei Romane, in Estland von Nationalisten entführt, um einen Pakt der baltischen Staaten zu verhindern. Atim ist einer der Entführer. Er ist der Jüngste der drei Entführer und aus der Sicht seiner beiden Freunde der Laufbursche ihrer kleinen nationalen Front.

Zuerst sieht es so aus, als ob Atim nicht mehr wäre als ein Mitläufer, einer der mitmacht, um überhaupt irgendwo dabei zu sein. Er tut sich hervor mit harten Sprüchen und Spott gegenüber Minderheiten wie People of Color und/oder LBQT+ ohne Abstufung.

Im Verlauf der Handlung stellt sich heraus, dass Atim eigentlich schwul ist und darunter leidet, dass er keinen Weg findet, seine Sexualität auszuleben. Er kann nicht dauernd nach Tallinn fahren, um dort nach jemand zu suchen, und außerdem ist er zu sehr gefangen in den Blut und Boden Fantasien seiner Kumpel, die ihm eine Art Nestwärme bieten, der er sich nicht entziehen kann.

Wenn er allein ist, hört er schwere klassische Musik oder symphonische Filmmusik, aber auch Musicals, hat heimlich ein Instagram-Konto, auf dem er anzügliche Fotos von sich postet, ohne sein Gesicht zu zeigen oder gerade soviel, dass er eben nicht erkennbar ist. In ihrem Gefangenen erkennt Atim nicht nur einen Mensch von mehr Größe und Würde, als er selbst je erlangen wird, sondern auch den Mann, nachdem er sich, ohne es zu erkennen, in seinen einsamen Nächten gesehnt hatte.

Stefan tötet Atim und kann fliehen. Er nimmt dessen Smartphone mit, entsperrt es und beginnt auf seiner Flucht, als er sich in den Momenten, wenn er sich ausruht, zu begreifen, dass er einen Menschen getötet hat, dessen Leben vielleicht verpfuscht war, aber auch unendlich kostbar, weil einzigartig. Und weil Stefan kein Hollywoodheld ist, der über Leichen geht, so wie andere tanzen, leidet er auf seiner Flucht nicht nur an Schwächeanfällen und Fieber, sondern auch am Umstand, jemand getötet zu haben, den er in einem anderen Leben vielleicht sogar gern gehabt hätte …

Der Trost des Mittelmaßes

Die meisten Boulevardzeitungen haben auch Webseiten, auf denen ziemlich genau dasselbe steht wie auf den gedruckten Ausgaben. Der Fokus der Onlineversionen ist dabei auf Geschwindigkeit und Aufregung ausgerichtet. Was Onlinemedien brauchen, ist ein Konsument, dessen Dauererregung am besten mit den Worten „Das darf doch alles gar nicht wahr sein“ umschrieben wird.

Der Verdacht drängt sich auf, dass die Medien vor allem mit ideologischen Nebelthemen aufregen wollen, die sich bestens dazu eignen, um um des Kaisers Bart zu streiten. Da kann der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Menschen deportieren und Tausende Beamte entlassen, weil sie möglicherweise ideologisch anderer Meinung sind – wenn irgendwo in Österreich oder Deutschland an einem Tag vor einem Amtshaus oder einer Kirche eine Regenbogenfahne weht, ist Feuer am Dach. Diejenigen unter denen, die sich darüber aufregen und sich für klug halten, versuchen, Gesetze zu bemühen. Andere regen sich darüber auf, dass „diesen“ Leuten so viel Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Und meiner Meinung nach ist das des Pudels Kern: Die Leute meinen, man müsse sich ja bald dafür schämen, normal zu sein. Nein. Muss man nicht. Musste man nie. Man darf nur nicht erwarten, dass Medien, die davon leben, Aufmerksamkeit zu binden, über Alltägliches, Belangloses, Normales berichten.

Was bleibt am Ende des Jahres in Erinnerung? Die Norm? Oder die Außergewöhnlichen? Die bemerkenswerten Modedesigner, Dichter, Maler und Komponisten, Schriftsteller und Denker sind es, deren Licht das der anderen überstrahlt. Der Alltag interessiert die Medien nicht. Und deshalb berichten die Medien auch über Regenbogenfahnen. Über Demonstranten. Klimakleber. Politiker mit verqueren Ansichten.

Wenn User sich nun in den Kommentarbereichen von Zeitungen online darüber auslassen, dass man „denen“ viel zu viel Aufmerksamkeit schenkt, dann beklagen sie sich eigentlich nur darüber, dass sich niemand für sie interessiert. Der sittlich-moralische Unterbau der Wehklage ist nebensächlich. Sie kränken sich, dass das, worauf sie insgeheim stolz sind, nämlich auf ihre Normalität, so wenig Beachtung findet. Sie berufen sich auf die Norm und schmähen alles jenseits der Norm. Und sie bestätigen ein ums andere Mal, dass die These wohl stimmt: Die Normalität ist der Trost des Mittelmäßigen.

Frank Montalvo

Diese Woche habe ich meine Webpräsenz umgestellt und den WordPress Blog auf Google Sites nachgebaut. Beim Erstellen der Seite mit den Werken habe ich mich ein wenig nostalgisch und auch etwas traurig an Frank Montalvo erinnert. Frank lernten mein Mann Richard und ich 2010 kennen, als wir im Sommer auf Kuba Urlaub machten und auf eigene Faust herumreisten, überall baden gingen, wo es uns taugte, und die fremdartige Freiheit des Lebens genossen, wie es wohl nur auf Kuba geht.

Frank war hauptberuflich als Security in einem Industriegebiet im Norden von Havanna tätig; in seiner Freizeit trainierte er für den Radsport. Frank erzählte uns, als wir uns bei Mi Cayito kennenlernten, dass er sooft es ginge, für das Radrennen „Vuelta a Cuba“ trainierte, ein Radrennen, das jährlich im Februar stattfindet.

Sein Fahrrad war wüst zusammengeschraubt, aber stabil. Er sagte, es sei ein echter Kubaner, aus Teilen aus Mexiko, Venezuela, Kuba und China.

Frank inspirierte mich zur Hauptfigur einer Kurzgeschichte mit dem Titel „Der Radfahrer“. Diese Geschichte erschien in einer Anthologie mit Kurzgeschichten von mir im AAVAA-Verlag, den es inzwischen leider nicht mehr gibt.

Wir sahen ihn dann noch öfter bis 2015. Danach, erfuhren wir, konnten wir ihn gar nicht mehr sehen, weil er 2016 die Ausreise aus Kuba bewilligt bekam und irgendwie in Florida gelandet war, wo er dann auch lebte. 2017 kehrte er zu seinem Geburtstag nach Kuba zurück, um mit seinen Freunden zu feiern, die er schon lange nicht mehr gesehen hatte. Die Party stieg in Havanna, in der Fabrica de Arte und nach Mitternacht wollten ein paar Mädchen mit Frank noch in einem Club in Matanzas weiterfeiern. Frank, ganz Gentleman und wohl auch ein wenig angeheitert, lud die Mädchen ein, sie mit dem Mietwagen, den er am Flughafen Jose Martí ausgeliehen hatte, nach Matanzas zu bringen, um dort weiterzufeiern. Auf der Fahrt nach Osten über Land kam der Wagen wohl wegen überhöhter Geschwindigkeit von der Straße ab, überschlug sich mehrmals und ging schließlich in Flammen auf. Niemand überlebte den Unfall, fünf junge Leben waren ausgelöscht.

Von Zeit zu Zeit erinnere ich mich an Franks unverwüstliche Lebensfreude und Freundlichkeit, an seine Fähigkeit, immer nahe zu sein, ohne einem zu nahe zu kommen. An sein Lächeln und seine fast kindliche Freude, als ich ihm erzählte, dass er das Vorbild für eine Romanfigur sei.

Goodspeed, Frank. Wo immer Du bist.

Digital Nomad

Das Thema Digital Nomads hat mich schon länger interessiert und wie das bei mir so ist, schlief das Interesse ein, nachdem ich mich sattgelesen hatte. Eine Facette des Themas, die mich ermüdete, war, dass es zwischen dem 9 to 5 Job und dem Digital Nomad nichts zu geben schien in der Debatte, das erwähnenswert war. Das zweite Merkmal, das ich als ziemlich abstoßend wahrnahm: Die Pro-Digital-Nomad Leute haben allesamt das Wirken und Auftreten von Missionaren und Predigern. Was sind Digital Nomads? Im Grunde genommen Leute, die frei und ungebunden, dort leben, wo sie möchten und in scheinselbstständigen Arbeitsverhältnissen remote über Laptop, Smartphone und eine gute Internetverbindung entwickeln, designen, übersetzen, schreiben; Jobs erledigen, für die man nirgendwo vor Ort sein muss.

Sucht man im Internet nach Informationen zu Digital Nomads, findet man auch jede Menge Fotos, die junge, schöne Menschen in instagramablen Settings zeigen. Irgendwo in Spanien, in Thailand, Bali, oder in Lissabon, auf den Kanaren. Alle tiefentspannt, jung und agil mit Laptop und einem coolen Drink neben der Tastatur mit Blick aufs Meer und Palmen. Die Settings wirken dabei zu gewollt, um Echtheit zu vermitteln, und sie stimmen auch nicht mehr ganz mit den Texten zusammen, die man zum Thema lesen kann. Dass es kompliziert sein kann, das Leben als Digital Nomad zu leben. Dass man oft tagsüber neun bis zehn Stunden arbeiten muss, um sich die über AirBNB angemietete Wohnung auf Dauer leisten zu können. Dass man im Falle einer Erkrankung keine finanzielle Kompensation hat und oft auch keine medizinische Versorgung wie da, woher man kommt. Dass man sich oft getriebene fühlt, das FOMO inhaliert, weiterzieht, nirgendwo sesshaft wird und keinen Freundeskreis aufbauen kann. Dass man sich das dann schönredet und verklärt, in dem man sich einer Community von Menschen zugehörig fühlt, die dieselben Interessen zu haben scheint.

Selbst die Informationen, die Digital Nomads Gleichgesinnten zur Verfügung stellen, wirken und lesen sich wie Werbekataloge. Alles Hochglanz, eingebettet in Minimalist-Aesthetic.

Und ich denke, dass ist es, was mich an einem solchen Lebensstil am meisten abschreckt: Dass etwas, das nicht mehr ist als eben eine Art zu leben, soviel Missionierung braucht, so viel Werbung, so viel Idealisierung und verkitschte Ästhetik.

Niemand berichtet über Gehaltsausfälle, Krankheit, Einsamkeit, über Unwetter, Überschwemmungen, Internetausfälle, die Tage und Wochen dauern können. Kaum ein Wort über Konkurrenz, Einsamkeit, kein Wort über Heimatlosigkeit.

Es gibt ein Leben zwischen 9 to 5 Job und Digital Nomad oder Backpacker. Um Hans Rosling heranzuziehen, denke ich, dass sich sogar der Großteil des Lebens der Menschen zwischen den beiden Extremen einschachtelt. Die 9 to 5 Jobs werden weniger, bieten mehr Work-Life-Balance, man arbeitet öfter und öfter von zu Hause aus, am Balkon, vor dem eigenen Pool im eigenen Garten. Man ist beruflich in Festanstellungen öfter unterwegs. Als ich für UPC arbeitete, war ich als Service Manager für das Unternehmen in Prag, Luxemburg, Zürich, Amsterdam unterwegs, habe in lässigen Lounges und Hotelhallen gearbeitet, in coolen Cafés am Wenzelsplatz oder am Ufer der Limat in Zürich. Man kann nicht mehr das Vorurteil gegen den 9 to 5 Job heranziehen, um glaubhaft die Vorteile des Lebens als Digital Nomads zu beschreiben.

Ich kann auf der Terrasse eines Bauernhauses im Umland von Wels arbeiten, einen Radler trinken und bin kein Digital Nomad. Ich kann in der Business Lounge am Flughafen Mails lesen und beantworten und in Confluence interne Wiki-Artikel schreiben, ohne ein Digital Nomad zu sein. Es ist keine Entscheidung mehr für oder gegen, sondern ein Wahrnehmen von Möglichkeiten

Mich schreckt nicht die Idee ab, als junger Mensch die Welt zu bereisen und zu arbeiten, wo man gerade ist, Menschen kennenzulernen und Sprachen zu lernen. Das ist wichtig und gut und richtig. Aber es braucht nicht diesen weinerlichen Pathos, mit dem versucht wird, das Leben als Nomade zu promoten.

Mehr Fakten als Weichzeichner wäre schön. Informationen statt Selbstbestätigung.

Jérôme und Isabelle

Als ich zwölf oder dreizehn Jahre alt war, besuchten wir im Sommer öfter die Eltern meines Vaters, die ein hübsches Haus und einen Swimming Pool an einem Weinberg hatten. Es gab dort einen Steinplattenweg, der vom Haus runter führte bis zum Ende des Grundstücks, an diesem Weg stand eine Hollywoodschaukel und auf der saßen meine beiden Brüder und ich, während die Erwachsenen auf der terrasse des mediterranen Hauses saßen, Wein tranken und erwachsenendinge besprachen.
Diese Sommer erscheinen mir, durch den Filter der Jahre, als ganz wundervoll, weil es einfach nichts gab, das nicht passte, nicht stimmte oder nicht im Einklang war mit den Glücksgefühlen eines Jungen, der sich gerade das erste Mal verliebte, ohne es zu wissen.

Im Fernsehen gab es damals eine Serie mit dem Originaltitel: Le jeune Fabre. Bei uns im deutschsprachigen Raum hieß sie Jerome und Isabel. Glücklicherweise ergab es sich immer so, dass die Serie am Wochenende zu einer Zeit spielte, in der ich genug vom Herumtoben und Äpfelpflücken und plantschen im Pool hatte. Vater und Großvater saßen auf der Terrasse des Hauses und Mutter war mit Großmutter entweder im Keller, um die Einmachgläsr umzuschlichten, Marmelade zu holen oder in der Küche, um irgendetwas zu tun. Das soll nicht geringschätzig klingen – es war mir einfach egal, denn ich war erschöpft vom Sommertag, es war später Nachmittag und es lief im Fernsehen Jerome und Isabel.

Ich wusste nichts von Liebe außer von der zwischen Kind und Eltern, aber ich wusste, dass ich Jerome mochte. Dass ich gerne einen Freund wie ihn hätte und dass er mich so ansieht, wie Jerone seine Isabel in der Serie ansieht. Das ging mir durch und durch. Mein ältester Bruder Paul machte mich auf die Titelmelodie aufmerksam – musste er nicht, denn die war für mich schon längst zu meiner ganz persönlichen Schicksalsmelodie geworden: Demis Roussos: Le jeune fabre

Ich wollte, das weiß ich jetzt, dass Jerome mich so ansieht wie er Isabel in der Fernsehserie ansieht, dass es eine geheime Vertrautheit zwischen uns gibt, die unschuldig ist und doch intensiv, sehr sehnsüchtig und schmachtend und dass seine Blicke – hätten sie einen Klang – so klingen würden wie das Lied von Demis Roussos. Ich weiß noch, dass es Szenen gab in der Serie, bei denen ich Gänsehaut von den Unterarmen bis zum Nacken hatte. Und dass mir manchmal zum Weinen war, obwohl die Szene gar nicht traurig war.

Schwülstig? Ja, natürlich. Ich war dreizehn Jahre alt und ohne es wirklich zu verstehen, in einen arabischen Jungen in einer französischen Fernsehserie verliebt. Ich war in das Leben verliebt, in die Sommertage und Sommerabende und in die Stimme von Demis Roussos, die nach Weinbergen roch, nach Gewitterwolken und Leidenschaft.

Stiller Widerstand

In Zeiten, in denen die Angriffe auf die Demokratie und auf die althergebrachten Werte der Gesellschaft immer lauter und wütender werden, ist man versucht, die eigene Lautstärke der der Angreifer anzupassen.

Was meine ich mit althergebrachten Werten? Ich meine damit die gesellschaftlichen Übereinkommen und Gewissheiten, die das Fundament für Verfassungen bilden und uns als Zivilisation Halt bieten. Dass es Werte und Grundgewissheiten gibt, an denen man nicht rüttelt und dass die, die eben daran rütteln und herumfummeln wollen, dies nicht tun, um diese Werte auszutesten oder neu zu bewerten, sondern um sie zu zerstören. Ihr Verhalten erinnert fatal an das von Menschen, die im Schutz der Menge nach Tauben treten oder die geradezu besessen auf einem knirschenden Sessel wippen um herauszufinden, wann er endlich unter ihnen zusammenbricht.

Welche Ideale meine ich? Dass wir einander wohlwollend begegnen. Dass wir Rücksicht nehmen, ohne uns selbst dabei allzu sehr verbiegen zu müssen. Es ist verblüffend, aber viel von dem, was man früher als „Gentlemen Agreement“ eingeordnet hat, steht heute als Menschenrecht oder Grundrecht festgeschrieben und in den meisten Fällen bauen die Verfassungen vieler Länder auf diesen Grund- und Menschenrechten auf.

Der scheinbare Diskurswille von Menschen, die an diesen Gewissheiten rütteln und sie aufkratzen wollen, ist Heuchelei. Sie wollen der Gesellschaft einen Diskurs über ihre eigenen Grundwerte aufzwingen und dann, wenn es zum Diskurs kommt, die Leute damit brüskieren, dass sie sich darauf eingelassen haben. Das Lieblingsmotto dieser Zerstörer ist: Man muss über alles reden können! Nein, muss man nicht. Man muss nicht über jeden Blödsinn reden nur, weil sich sonst irgendwer in seiner Meinungsfreiheit beschränkt fühlen könnte. Und nein, man muss nicht jedem dahergelaufenen Provokateur Aufmerksamkeit widmen, weil er uns sonst vorhält, wir würden den Diskurs mit ihm verweigern. Ja, ich sehe es als mein verdammtes Recht auf Meinungsfreiheit an, mich nicht mit den Meinungen von Menschen befassen zu müssen, die nur Zerstörung, Gewalt und Zynismus im Kopf haben und sonst nichts zum Wohl der Gesellschaft beitragen.

Dazu gibt es ein Zitat des Vordenkers der Neuen Rechten, Götz Kubitschek:

Unser Ziel ist nicht die Beteiligung am Diskurs, sondern sein Ende als Konsensform, nicht ein Mitreden, sondern eine andere Sprache, nicht der Stehplatz im Salon, sondern die Beendigung der Party

Ein großer Teil dieser erbitterten Debatten hat sich in die sozialen Medien verlegt, und, man soll es nicht glauben, in die Kommentarspalten von Online-Boulevardzeitungen, deren Artikel oft nur noch als Stichwortgeber für wütende Kriege dienen.

Wie kann man all dem begegnen, wenn man nicht das Format, die Wut und den Willen hat, 24/7 online für das Gute zu streiten, für das Richtige, für Grund- und Menschenrechte? Wenn man nicht dazu geschaffen ist, sich all dem geballten Hass zu stellen, der Abgefeimtheit, wenn einem die Stimme versagt, wenn man weiß, dass man niemals laut genug sein kann, um sich Gehör zu verschaffen?

Auf News verzichten und sich einer vampiresken Diskussionskultur entziehen, so wie das Rolf Dobelli vorschlägt. Durch den Konsum und die Reaktion auf News gewinnt man nichts. Keine Informationen, bessere Entscheidungen zu treffen, keine Erkenntnisse, die wichtig sind.

Sich generell aus den sozialen Netzwerken zurückziehen. Gerade jetzt, wie man rund um die Wiederwahl von Donald Trump sieht, sind die Broligarchen-Freunde von Trump drauf und dran, die Meinungsfreiheit zu zerschießen, in dem sie sie in eine Travestie verwandeln. Da muss man nur lesen, wie sich Zuckerberg über Wokeness äußert und was Musk auf seiner hauseigenen Plattform X so postet.

Eine Art Repatriation weg von den ausgelagerten Meinungsstätten wie X, Tiktok, Instagram, Facebook, RedBook und wie sie alle heißen, und hin zu offenen Standards wie Fediverse oder noch besser, wieder bloggen und sich mit anderen Bloggern vernetzen. Keine Limitierung der Zeichen, keine Zensur, kein Algorithmus, der einen begräbt oder ghosted. Repatriation ist im Übrigen ein Trend großer Unternehmen, ihre eigenen IT-Lösungen nach einem Cloud-Rausch wieder selbst zu hosten. Einer der Vorreiter ist das australische Unternehmen Fastmail.

  • Schreibt Kurzgeschichten und Romane, so gut es geht und umgeht bei Eurer Öffentlichkeitsarbeit konsequent alle Booksta* Plattformen, die sich auf großen Socialmedia-Plattformen etabliert haben.
  • Geht den Weg über Verlage und schlagt einen Haken um Grossisten wie Amazon, so gut es geht. Ich weiß, dass widerspricht dem Wunsch, von möglichst vielen Menschen wahrgenommen werden zu können. Oder veröffentlicht im Selbstverlag, wenn Ihr die Mittel dazu habt
  • Unterstützt eher Startups und kleine Anbieter. Lasst Euch nicht einreden, Meinungsfreiheit sei untrennbar mit Reichweite verbunden. Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht, und Grundrechte binden stets nur den Staat. Hat mir Reichweite genau gar nichts zu tun.
  • Hört auf, so streamline zu sein. Seid bockig, nehmt eigene Wege, seid bereit zu glauben, aber glaubt nicht alles.
  • Man kann ungehorsam schreiben. Man kann Bücher und Geschichten, Glossen und Essays schreiben über Menschlichkeit, Würde und zivilen Ungehorsam. Man kann Menschen am Rand der Gesellschaft thematisieren …

All das wird Euch vielleicht nicht berühmt machen oder gar reich. Aber Ihr helft dabei mit, den Kanon der Menschlichkeit nicht verstummen zu lassen. Sollen die verbiesterten Infowarriors doch an ihrem eigenen Gift auf den großen Socialmedia-Kanälen dahinsiechen; freidenkende Menschen und Alternative waren schon immer gut darin, die Konformität links liegen zu lassen und sich eigene Wege zu suchen. Man muss nicht dort sein, wo alle sind, und mit denen gemeinsam in ihrem eigenen Sumpf baden.

Vielleicht sollten wir alle wieder ein bisschen mehr verträumte Kiffer und Genussmenschen sein, als endoptimierte Drohnen, einsame Spaziergänger, als Herdentiere, Denker sein, statt massentaugliche Mitläufer. Dafür gibt es vielleicht weniger Likes aber mehr Leben.

Soziale Erschöpfung

Das Problem

Auf Bluesky oder X kann man immer öfter lesen, dass die Menschen ausgelaugt sind, sich erschöpft fühlen von all dem, was sie Tag für Tag in ihre Timeline gespült bekommen: menschliche Grausamkeit, politische Infamie, geostrategische Neuausrichtungen, Vertragsbuch, Gemeinheit, Sadismus und Grausamkeit. Alles scheint den Halt zu verlieren, ins Rutschen zu kommen. Es gibt keine Gewissheit mehr, alles ist glitschig und unzuverlässig geworden – so scheint es, wenn man die News verfolgt oder den Social-Media-Algorithmus durch Likes und Lesedauer konditioniert hat. Dabei wollte man doch nur mit der netten Gesellschaft der letzten Geburtstagsparty in Kontakt bleiben, mit der netten Vermietern der Ferienwohnung in Madrid, mit der laut grölenden Partie, mit der man am Strand von Mi Cayito gefeiert hatte. Aber der Radclub. Mein Fischereiverband! Der Reit- oder Fußballclub! Man möchte ja in Kontakt bleiben und kaum ist man auf einer dieser Plattformen wie Facebook, spült es einem schon ungefragt die schlechten Nachrichten in die Zeitleiste und die Leute hauen Dir die üblen Nachrichten mit diesem „Hast Du schon gesehen?“ – Teaser über den Zaun. Na und auf X und Instagram erst.

Man wollte ja nur socializen, oder?

Auch auf den eher angenehmen Plattformen wie eben Bluesky oder irgendeiner der zahlreich und gut gewarteten Mastodon-Instanzen, geht es den Leuten auch nicht so gut. Das sind die Nachrichten, die man bekommt. Entweder aus der seriösen, professionellen Presse oder aus den unzähligen Medienkanälen, die filterlos schreiben und behaupten, was auch immer sie wollen, wie sie wollen und in welcher Intensität sie das wollen. Und sie wollen immer laut, alarmistisch und furchterregend.

Dann tauscht man sich über die Nachrichten aus und erkennt immer und immer wieder, dass man mit diesen Informationen nichts anfangen kann, außer sich zu ärgern, zu fürchten, zu kränken. Die Frage stellt sich mir dann schon seit geraumer Zeit: Warum tu ich mir das an? Welche Erkenntnisse ziehe ich aus diesen Nachrichten? Wie helfen sie mir dabei, in meinem Leben kluge und klügere Entscheidungen zu treffen? Welchen Wert haben Nachrichten, die nur noch betrüben, verängstigen und entmutigen? Um mitreden zu können? Und um dabei noch verdrießlicher zu werden?

Ein Lösungsansatz

Ray Bradbury schrieb in seinem Buch Zen in der Kunst des Schreibens von der Begegnung mit einem mexikanischen Bauer auf seinem Feld irgendwo in Mexiko: Wenn Sie einmal wirkliche Poesie hören wollen, dann hören Sie einem mexikanischen Bauer zu, der über seine Arbeit spricht.

Das löst in mir eine ganze Kette von Gedanken aus, die allesamt erfreulich einfach sind und doch befriedigend:

  • Erfüllung finden in einfacher, harter Arbeit
  • In der Natur arbeiten
  • Stille um einen herum
  • Lieben was man tut
  • Nichts von Socialmedia wissen
  • Oder keinen Bezug dazu haben

Ich will das Leben eines mexikanischen Bauern nicht verklären, allein schon deshalb, weil ich keinen blassen Schimmer von der Arbeit habe. Und schon gar nicht von einem in den Vierzigern des vorigen Jahrhunderts, als Bradbury durch Mexiko reiste. Doch das Beispiel von Bradbury unterstützt für mich dann doch eine Kette von Rückschlüssen, die zumindest auf poetischer Ebene funktionieren.

In Zeiten wie heute, da wir lernen, dass die USA und Russland keine verlässlichen Partner (mehr) für uns Europäer sind, ist es sowieso angezeigt, auf Open Source Lösungen umzusteigen, auch, wenn man dadurch viele Kontakte hinter sich zurücklässt. Für wichtiges gibt es ja noch immer Telefon und E-Mail (Mail auch über einen EU-Anbieter).

Und natürlich kann man sich die Frage stellen, ob es wirklich notwendig ist, über alles zu jeder Zeit und mit jedem kommunizieren zu müssen. Ich kann mich erinnern, dass meine Eltern in der ersten Wohnung nur ein Vierteltelefon an der Wand hatten, und das schien zu genügen. Natürlich muss man das nicht verklären. Aber die Frage steht nun mal im Raum: Was nützen mir all die modernen Informations- und Kommunikationsmittel, wenn sie mich unzufrieden, traurig und rank machen? Und süchtig nach noch mehr Entmutigung, Angst und Verzagtheit?

Nein, nicht die Kommunikation aufgeben. Aber selektiver werden in der Frage: Mit wem möchte ich mich über welches Thema austauschen? Und wie?

Vor gar noch nicht allzu langer Zeit war die Privatheit das höchste Gut eines Menschen und Existenzgrundlage neben einem sicheren Beruf, einem Dach über dem Kopf und Liebe.

Vor zehn Jahren auf einmal die Kehrtwende: Ist es nicht auf Facebook, ist es nie geschehen.

Muss das sein? Ich meine, ich frage mich das selbst, weil ich ja zum Teil auch noch auf Socialmedia bin (Bluesky). Vielleicht können wir uns neu orientieren? Den gepflegten Rasen der US-ansässigen Socialmedia-Plattformen verlassen und in die Wildnis ziehen?