Als ich die Arbeit am dritten Band der Elias-Trilogie beendet hatte, war mir bewusst, dass ich die Trilogie zwar abgeschlossen, die Geschichte aber noch nicht fertig erzählt hatte. Nicht ganz. Für mich war noch ein wesentlicher Teil offen, nämlich an der Bruchstelle zwischen dem, was Elias in seiner Owl Creek Bridge Geschichte erlebte, und dem, was wirklich geschah.
Denn: Elias gab es wirklich, auch außerhalb des Erzählraums, in den ich ihn gesetzt hatte. Stefan ebenso und auch den Ermittler des Morddezernats Alexis Cristobal Armas Ramos. Der tauchte schon in früheren Geschichten von mir auf, genauer gesagt in Die Inseln im Westen und in CODA- der letzte Tanz. Ich mag den Kerl einfach und finde, er hat einen ganzen Roman verdient. Außerdem will ich ergründen, was wirklich mit Elias geschah – außerhalb der Geschichte in der Trilogie.
Ich denke, ich fliege nochmal nach Gran Canaria und schau mal, ob Armas Ramos den Mord an Elias aufklären kann – und wie er das macht. Von der Stimmung stelle ich mir das vor wie die Conde-Romane von Leonardo Padura. Weniger Krimi als ein Stimmungs- und Sittenbild.
Als ich fünfzehn Jahre alt war und mit meinen Eltern in ein Haus in Biedermannsdorf zog, südlich von Wien, lernte ich die ziemlichen coolen Lugerbauer-Brüder kennen, die um einen Hauch älter waren, als ich. Alfred Lugerbauer studierte Gitarre an der Uni Wien, soviel ich weiß, und er liebte Mike Oldfield; hatte aber auch schon einen Fuß im Jazz.
Für mich war Jazz per se nichts, weil mir die Musik zu wenig greifbar war. So ein Zwischending zwischen „Easy Listening“, Alternative und trotzdem noch genießbar für junge Ohren waren eben die Tracks von Mike Oldfield, Vangelis und Tangerine Dream. Auf der anderen Seite stand Hardrock und Bombast Rock wie zum Beispiel von Emerson, Lake & Palmer. Uns gefiel auch Stratos von Billy Cobham und die konzeptionelle Musik von YES.
Kunstvoll empfanden wir auch damals schon die Musik von Peter Gabriel. Jedenfalls: ja, wir suchten und fanden alternative Musik, weil bei uns im kleinen Biedermannsdorf der Konsens unter uns Jungen herrschte, man müsse eine andere Art von Musik hören, als alle anderen. Unsere Mode war Musik, und wir trugen unseren Musikgeschmack vor uns her, wie Flaggen.
Mein Musikgeschmack blieb diesbezüglich ziemlich konstant. Da gab es einerseits die großen Elektroniker wie Tangerine Dream, Klaus Schulze, Vangelis, Ashra Temple, andererseits kunstvollen Pop. Und ein drittes Standbein, das ich von meiner Kindheit über meine Jugend ins Erwachsenenalter mitnahm, war Filmmusik. Hauptsächlich John Williams, Jerry Goldsmith, James Horner und Ennio Morricone. Später kam noch Hans Zimmer dazu, der mich aber im Laufe der Zeit mit seiner zum Bombast aufgeblasenen Beliebigkeit zunehmend langweilte.
Im Februar machte ich Bekanntschaft mit der Serie Harry Bosch auf Prime und es kam so, wie es bei mir immer kam, wenn mehrere Ereignisse gut geölt ineinander klickten: Ich fand etwas Neues. Die Serie erzählt die Geschichte von einem Detective des Morddezernats Hollywood, Los Angeles. Irgendwann vor Beginn der Serie hatte er einen Fall gelöst, der von einem Hollywoodstudio verfilmt wurde. Das Honorar für die Geschichte verschaffte ihm genug Geld, um sich ein Haus in den Hollywood Hills zu kaufen. Samt Terrasse und verglasten Wänden. Harry Bosch hörte immer Jazz, wenn er zu Hause Mordfallakten wälzte und in Kombination mit dem Blick über Los Angeles hatte es mich erwischt. Harry Bosch, gefilmt durch die wandhohen Fensterscheiben seines Hauses, dazu Art Pepper oder John Coltrane … Anheimelnd auch, dass er in der in unsere Zeit verlegten Serie die Musik auf einem Plattenspieler hört. Ich verschaffte mir einen Überblick über Cool Jazz – also um ehrlich zu sein, ich bin noch mittendrin. Was mich von Anfang an beim Jazz ansprach, seitdem ich mich damit befasse, ist, dass diese Musik emotional sein kann, ohne dabei schmalzig, kitschig oder teeniehaft-raunzend zu sein. Dazu kommt die aus den Aufnahmen heraushörbare Spielfreude der Musiker und wie gut sie aufeinander eingestimmt sind. Das ist noch gutes, altes Musikhandwerk und auch wenn die Musik zum Teil sperrig ist und nicht nach Gefälligkeit schielt, so macht doch gerade das für mich den Reiz aus. Cool Jazz kommt herrlich unprätentiös daher und konzentriert sich auf sich selbst. Ich mag das Emotionell-Dreckige und das Rauchige dieser Musik. Aktuell gefällt mir Jazz, der sich auf Klavier, Bass und Saxofon beschränkt.
Ich freue mich schon auf die lauen Nächte, die bei uns so ab Mai häufiger werden. Weiterschreiben an einem neuen Roman, Balkontür offen und Art Pepper im Hintergrund. Ich denke, da kann man nicht viel falsch machen.
Vorgestern habe ich das Wort ENDE unter das Rohmanuskript meines neuesten Romans geschrieben. Die Geschichte unterscheidet sich in sehr vielen Aspekten von früheren Werken. Der wesentlichste ist vielleicht, dass ich mich diesmal nicht auf junge Leute konzentriere, die an der Schwelle zum Mannsein in dramatische Probleme geraten, sondern auf zwei Senioren, die nach tragischen Verlusten zueinanderfinden und lernen, einander dabei zu unterstützen, im Alter das Leben weiterzuleben.
Der Roman führt die Geschichte von Der Sturmgondoliere fort, aus einer anderen Perspektive, mit neuen Akteuren und mit alten Freunden. Handlungsorte sind Wien, Bled, Triest und Montaione. Eine weitere Verschränkung habe ich mit dem Roman Fluchtgemälde hergestellt; ja, auch in diesem Roman geht es um magische Malerei. Um das, was Kunst vielleicht kann.
Die gewichtigsten Handlungsbeiträge im aktuellen Roman kommen von Personen, die nicht mehr am Leben sind, aber eben noch nachwirken. Als Geister, als Inspirationen, als Wegweiser in ein neues, altersweises Leben. Mir gefällt die Idee, Geister nicht als etwas zu beschreiben, vor dem man sich fürchten muss, sondern als etwas, das gleichberechtigt neben den Lebenden steht und wirkt.
Der Roman ist schwer einzuordnen. Eines der stärksten Merkmale dieses Manuskripts ist gleichzeitig seine größte verlegerische Herausforderung: Es lässt sich nicht in eine einzige Schublade stecken. Es ist kein Krimi, kein Liebesroman, kein Reiseroman — und doch ist es ein bisschen von allem. Die Zielgruppe ergibt sich deshalb nicht aus einer einzigen Schnittmenge, sondern aus mehreren überlappenden Leserkreisen, die sich um je ein zentrales Thema des Buchs organisieren.
Was mich interessiert hat
Ich wollte einen Roman schreiben, der von Trauer handelt, ohne ein Trauerroman zu sein. Der von Alter handelt, ohne ein Altersroman zu sein. Der von Geistern handelt, ohne ein Geisterroman zu sein.
Die Geister in diesem Buch sind nicht gruselig und nicht metaphorisch. Sie sind einfach da — mit Piercings, Boxershorts mit bunten Smileys und dem Geruch von Teichwasser und Melonen. Was sie wollen, ist konkret: eine letzte gute Tat – ganz im Sinne ihrer Mutter. Einen alten Mann aus seiner Einsamkeit herauslotsen. Das erscheint mir glaubwürdiger als jede psychologische Erklärung, die ich hätte anbieten können.
Ich war außerdem daran interessiert, schwule Seniorenliebe als das zu erzählen, was sie ist: unspektakulär und tief. Frank und Richard haben nicht fünfzig Jahre damit verbracht, ihre Beziehung zu verteidigen. Sie haben gekocht, gereist, gestritten, Pierogi gegessen und sind sich gegenseitig auf die Nerven gegangen. Das ist die Geschichte. Die sexuelle Orientierung der Figuren ist kein Thema — sie ist einfach Teil von dem, was sie sind, so wie die Tatsache, dass Frank Muskateller trinkt und Richard Zigarillos geraucht hat.
Der Roman spielt auch mit der Frage, was Kunst kann. Richards Gemälde zeigen eine Zukunft, die noch nicht da war. Lucians Gemälde zeigen ein Leben, das nie stattgefunden hat. Ich habe das nicht als magisches Kunststück gemeint, sondern als ehrliche Frage: Ist nicht jedes gute Kunstwerk ein Fenster in eine Wirklichkeit, die noch nicht existiert — oder nie existiert hat — und die trotzdem wahr ist?
Die Verzahnung mit meinem Roman Der Sturmgondoliere, der 2016 im Größenwahn Verlag erschien, ist offensichtlich und wie ich hoffe, gut geölt.
Jetzt drehe ich mal eine Überarbeitungsrunde und dann schicke ich den Roman los. Mein Wunschverlag dafür ist der Main Verlag, der schon meinen Roman Piero X veröffentlichte und den ich in guter Erinnerung habe als konstruktiver, verständiger Partner.
Auf der Website der Freunde, die den iA Writer machen, gibt es recht oft ausgezeichnete Blogbeiträge. Viele davon folgen dem Zirkelschluss (so, wie auf anderen Herstellerwebsites), dass der gesamte Blogbeitrag ein Beweis dafür ist, das Produkt zu nehmen, das der pt. Hersteller anbietet, die allerbeste Entscheidung ist. Die Blogbeiträge dienen quasi der Selbstbestätigung jener Leser, die ohnehin schon in die Endkurve eingebogen sind, sich für das beworbene Produkt zu entscheiden.
Ein neuer Beitrag stellt einmal mehr das alte Officeformat infrage und verknüpft das recht geschickt mit der völlig überholten „Imagination“ des Büroraums. Das Monolithische, Autoritäre, das Hierarchische wird zu einem Bogen verknüpft, der Officeraum und Officeformat verknüpft. Die erlösende Beantwortung der Frage nach dem „Wohin“ bleibt dann seltsam substanzlos und nebulös.
Nach 2020 wurden viele Büros in der Corona-Zeit komplett umgestaltet und – weg vom Arbeitsraum und hin zum Platz für Austausch – in Wohnzimmer verwandelt. Dropbox zum Beispiel machte aus Tisch & Sessel Büros Begegnungszonen. Notion hat sein Hauptquartier in San Francisco im Garagen-Industrielook eingerichtet und lädt zum schuhlosen Arbeiten ein. Auch Microsoft hat in den letzten Jahren seine Büroräume modernisiert, um ein „neues“ Arbeiten zu ermöglichen. Doch das ist, zumindest im Umgang mit zu verarbeitenden Informationen, nur Kosmetik. Denn das Grundprinzip im Umgang mit Dokumenten als Maß aller Dinge bleibt weitgehend unverändert. Notion schafft diesbezüglich einen neuen Raum, in dem alles zusammenhängt, einander bedingt und auf mehrdimensionale Art betrachtet werden kann. Dropbox verfügt mit der Paper App über ein erstaunlich versatiles Tool, das den Umgang mit Dokumenten elegant umschifft. iA-Writer will den Umgang mit Dokumenten und Formaten weitgehend auf das reine Textformat reduziert wissen, das eben mit Markdown angereichert wird. Doch auch Textdokumente sind noch immer Dokumente.
Ein Grund, sich aus der Umklammerung von Microsoft Office zu lösen, ist gewiss, sich dadurch auch aus dem monolithischen Anspruch auf Industriestandards zu lösen. Ein anderer, sich von US-Betrieben zu emanzipieren und offene Standards zu nutzen und zu unterstützen; Basar statt Kathedrale.
Markdown ermöglicht viel, ist aber noch kein Absprungpunkt, um von Dokumenten zu etwas anderem zu konvertieren. Diese Lösung gibt es bislang nicht wirklich. Der Grund ist einerseits, dass alles, was man an Informationswert erstellt, immer benannt wird, eingeordnet und beschlagwortet. Aus dem Denken kommen wir nicht raus, und so lange wir da nicht rauskommen, gibt es auch keine echte Brücke zwischen der alten, dokumentenorientierten Welt und einer neuen, noch nicht bestimmten Informationsumgebung.
Andere Lösungen für Dokumente verlangen nicht nur eine Änderung des Industriestandards im Hinblick auf Formate, sondern auch in der Informationsverwaltung, und da sehe ich noch keinen Lichtstreifen am Horizont.
Ein gangbarer Ansatz wäre es aus meiner Sicht, die Datensparsamkeit nicht nur auf die Menge an Dokumenten zu beziehen, sondern auf auch auf die den Dokumenten zugrundeliegenden Steuerungsinformationen – eben *.md statt *.docx. Was man da allein schon bei Websites ausmisten könnte! Und es wird Gründe haben, warum ein Worddokument in jedem Fall größer ist, als ein Opendocument-Dokument. Ich halte im übrigen Datenhygiene und Datensparsamkeit für zwei wichtige Grundpfeiler moderner Datenverarbeitung. Datenhygiene, Datensparsamkeit, Vertraulichkeit und Sicherheit. Redundanz, nur wenn nötig – eben: so wenig wie möglich.
Lass uns mal für einen Augenblick tun, als wäre die Schriftstellerei ein Handwerk. Man kann es lernen und man lernt es umso besser, je mehr Talent man hat. Ich meine, Talent wächst mit der Tätigkeit. Talent ohne Handwerk ist nichts, und Handwerk ohne Talent ist … halt auch nur irgendetwas.
Das erste Werkzeug eines Schriftstellers ist meiner Meinung nach seine Neugierde und seine Begeisterung für Bücher. Wer dauernd liest, der will auch irgendwann einmal erzählen. Manche beginnen damit der sehr jung, andere (wie ich) kommen erst recht spät auf die Idee, das Erzählen von Geschichten konsequent zu betreiben. Ja, ich habe schon als Schuljunge Geschichten erzählt, und ich habe auch einige von ihnen aufgeschrieben. Eine meiner frühesten Geschichten war eine über eine Rasselbande von Volksschülern, die es sich zum Ziel machen, älteren Menschen in der Wohngegend (wienerisch: Grätzl) eine Weihnachtsfreude zu machen.
Als Zivildiener schrieb ich Anfang der Achtziger blutrünstige Splattergeschichten, die ich für originell hielt. Erst sehr viel später habe ich gelernt, dass die Darstellung von Gewalt und Sex in erzählenden Texten erst dann sinnhaft ist, wenn sich die Darstellungen direkt und zwingend aus der Handlung heraus ergeben. Stehen die beschriebenen Grausamkeiten erzählerisch im luftleeren Raum, sind sie eher irritierend und befremdlich.
Mit dem Lesen wächst nicht nur der Wortschatz, sondern auch die Fähigkeit zur Anteilnahme. Besonders deutlich wurde mir das, als ich als Teenager den Roman Timm Thaler las. Der Roman war für mich auch der Auslöser, selbst erzählen zu wollen. Ich mochte auch den Roman Peter Pan – Timm Thaler und Peter Pan mochte ich so sehr, dass sie auch jetzt noch in einigen meiner Werke herauslesbar sind. Elias Mataanoui aus der Elias-Trilogie ist ein moderner Timm Thaler, und Piero aus dem Roman Piero X ist eine sehr finstere Version von Peter Pan.
Die Werkstatt
Meine Werkstatt ist überall, wo ich Papier und Füllfeder finde, oder wo ich meinen Laptop anstecken kann. Viele Schriftsteller zeigen gerne Fotos von Schreibtischen, die mit Büchern überladen sind und die vor wandhohen Bücherregalen stehen. Bei mir ist es tatsächlich so, dass ich den Großteil meiner Romane im Wohnzimmer auf der Couch schreibe. Da habe ich den Laptop auf dem Schoß, im Hintergrund läuft der Fernseher als Geräuschkulisse und ich schreibe.
Allerdings schreibe ich auch gerne unterwegs, in Bewegung. Und wo ich schon überall geschrieben habe: In Polen an einem See und bei Richards Tante (Richard ist mein Mann) auf dem Balkon. In Zügen und in Flugzeugen (auf dem Nachtflug von Havanna nach Paris habe ich rund die Hälfte eines handgeschriebenen Manuskripts ins Laptop geklopft – das war ein Chaos, ich kann Euch sagen! Die Seiten waren verschmiert mit Sonnenmilch und salzigem Schweiß und verschüttetem Bier … In Notizbücher in Kroatien auf den Steinen am Meer, auf der Donauinsel in Wien in ein Schulheft; ich müsste direkt mal in den Keller gehen, ob ich die Manuskripte und Notizen noch in irgendwelchen vergilbten Schachteln habe. Das ist bei mir gar nicht so sicher, weil ich keine sentimentalen Gefühle hege oder mich als Archivar fühle.
Ich beginne meist mit einer „Was wäre wenn“ Idee.
Cyborg me: Was wäre, wenn sich ein Theologe, der tagsüber als Müllmann arbeitet, in einen Stricher verliebt, der bis auf den Kopf ein hochmoderner Cyborg ist? Und das alles zur Musik von Vangelis‘ Soundtrack zu Bladerunner?
Elias Trilogie: Was wäre, wenn ein junger Influencer in eine Falle gelockt wird und statt Verträge abzuschließen, selbst zur Ware wird und sich bestialischer Grausamkeit ausgeliefert sieht?
Fluchtgemälde: Was, wenn ein junger Kubaner Anfang der Sechziger lernt, magische Gemälde zu malen, in die man migrieren kann?
Ich könnte über jeden Roman, über jede Kurzgeschichte, die ich je geschrieben habe, eine kurze Entstehungsgeschichte schreiben. Die ersten Gedanken, Sketches und Szenen notiere ich in der Regel mit der Hand in ein Notizbuch. Ich mag das Gefühl, mit der Hand zu schreiben. Der Großteil des Romans Im Palast des schönsten Schmetterlings schrieb ich mit der Hand in einen Collegeblock, und zwar, als wir in einer Casa Particular in Havanna Urlaub machten.
Vorbilder
Stilistisch habe ich einen Weg gefunden, meine eigene Stimme zu nutzen, ohne allzu aufdringlich auf einen eigenen Stil hinzuarbeiten. Wenn man, so wie ich, daran glaubt, dass eine Geschichte nur dann gut ist, wenn das WAS mit dem WIE untrennbar verbunden ist, tritt man als Autor wie von selbst zurück in den Schatten und überlässt der Geschichte die ganze Bühne.
Stark beeinflusst haben mich in der letzten Dekade die lateinamerikanischen Autoren wie zB Jorge Luis Borges, Jose Llesama Lima, Reinaldo Arenas, Leonardo Padura, Gabriel Garcia Marquez, Julio Cortázar und Mario Vargas Llosa. Diese Haudegen sind meine ständigen Begleiter, zu Hause oder auf Reisen. Früher schätzte ich auch die Werke von James Krüss, Michael Ende und Erich Kästner. „Das fliegende Klassenzimmer“ liebe ich noch immer.
Bei mir dauert es in der Regel sehr lange, bis ich von der Idee für einen Roman zum Schreiben übergehe. Ich schleiche wie eine Katze um den heißen Brei und suche nach dem Einstieg, und weiß, dass ich spätestens bei der ersten Überarbeitung Szenen dazu schreibe und neu formuliere. Der Roman, an dem ich z. B. gerade arbeite, beruht auf einer Idee, die ich schon seit Jahren mit mir herumtrage und für die ich mich eben erst jetzt reif fühle.
Werkzeuge
Mein „elektrisches“ Werkzeug habe ich im Laufe der Jahre öfter geändert als meine grundsätzliche Herangehensweise, zuerst mit der Hand draufloszufabulieren. Bei den Notizbüchern schwanke ich zwischen Moleskine und Leuchturm 1917, in den letzten Wochen verwende ich zum Notieren keine Füllfeder mehr (früher Lamy Nexx) sondern einen Druckbleistift (Lamy 2000). Bei der Software habe ich mich dazu entschlossen, meinen Laptop mit Linux zu bestücken (KDE Neon) und mit Libreoffice zu schreiben. Da ist das LanguageTool an Bord – und das ist für Legastheniker wie mich unabkömmlich.
Früher habe ich mit Papyrus geschrieben und mit Scrivener und auch einige Kurzgeschichten mit Ulysses. Mein Problem mit diesen Apps ist, dass sie zumindest mich zu einer bestimmten Arbeitsweise verführen könnten, mit der ich mich nicht identifizieren kann. Am liebsten habe ich Software zum Schreiben, die nicht zwischen mir und der Geschichte steht. Ich halte sowohl Scrivener als auch Papyrus für hervorragend durchdachte Werkzeuge, aber sie sind mit Funktionen angefüllt, die mir keinen Mehrwert bieten.
Ich benutze für mein Schreiben seit letzten Jahr Open-Source-Software. Ein klein wenig aus ideologischen Gründen, ein wenig aus meinem Spieltrieb, aber auch, weil ich mein Europäer-Sein ein klein wenig damit verbinde, mich so weit wie möglich unabhängig von Big IT-Tech zu machen. Mit Linux KDE Neon, LibreOffice, und Obsidian habe ich ein auf mich zugeschnittenes Environment, das vielleicht nicht alles kann, was größere oder umfangreichere Produkte können, aber alles, was ich brauche. Ich habe zwei identisch aufgesetzte Laptops (okay, fast identisch. Auf dem alten HP EliteBook ist Ubuntu Cinnamon) und die Daten tausche ich über einen kleinen Cloudanbieter in Slowenien aus; Koofr taugt, ist kostengünstig und zuverlässig. Vor allem beherrscht es die eine Funktion aus dem Effeff, die ich am meisten schätze: Es synchronisiert einen lokalen Ordner, den ich auswähle, in die Cloud. Das heißt, ich habe die Originaldateien immer im /home Verzeichnis.
Herangehensweise
In meiner Arbeitsweise bin ich ein hoffnungsloser Hobbyschriftsteller, um nicht zu sagen, strahlend unprofessionell. Mich drängt nichts zur Eile, also lasse ich mir Zeit. Ich setze mir kein Pensum, halte mich aber einigermaßen diszipliniert an den Leitsatz von Ernest Hemingway, man solle erst dann die Tagesarbeit am Roman beenden, wenn man genau weiß, wie es weitergehen soll. Nicht vorher. Dazu kommt, dass ich das Schreiben und das Korrigieren nicht zwingend trenne. Ich habe die Routine entwickelt, den Text, den ich geschrieben habe (ich schreibe überwiegend am Morgen), noch am selben Tag zumindest oberflächlich zu korrigieren. Große Änderungen nehme ich vor, wenn der Erstentwurf vor mir liegt, weil ich erst dann den Blick auf das Große & Ganze habe und mir überlegen kann, wo ich aktive und wo ich passive Vulkane habe, wo ich zu viel herumtrödle oder ins Detail gehe, um dann Kapitel für Kapitel aufzubrechen. Zum Beispiel entstand das erste (kurze) Kapitel im Roman Du warst der Plan erst, als ich die erste Version der Geschichte fast fertig hatte.
Ich lasse mir gerne Zeit für das Schreiben. Mich drängt nichts. Ich arbeite nicht nach Abgabeterminen, sondern sehe mich wirklich als Hobbyschriftsteller, für den die Arbeit an einem Roman dann beendet ist, wenn das Buch veröffentlicht ist. Also ich meine, die Arbeit am Roman ist dann vielleicht beendet, nicht aber die Geschichte selbst. Nicht immer. Manchmal wächst ein Thema, während ich an der einen Geschichte schreibe, und wird immer größer und größer. Das gefällt mir, denn das bedeutet für mich, dass eine Idee tragfähig ist. Nicht alles, was dann noch folgt, muss in einen Roman gegossen werden und nicht alles taugt für eine Veröffentlichung. Aber da ich in erster Linie schreibe, um zu schreiben, weil es mein Leben bereichert und mich erfüllt, ist das schon in Ordnung so, wie es ist.
Das war ein kleiner Einblick in meine Werkstatt. Wie ich arbeite, wo ich arbeite, welche Werkzeuge ich nutze. Und abschließend ein leiser Aufruf an alle, die auch schreiben wollen und dies am PC oder Laptop tun: Nutzt europäische Produkte, nutzt Open-Source. Lasst Euch Zeit dabei, Eure Schreibumgebung einzurichten. Befreit Euch von der Vorstellung, ein Schriftsteller müsse in einem Raum voller Bücher an einem schweren Schreibtisch sitzen, man müsse dieses oder jenes Programm verwenden, um als Profi zu gelten. Lasst Euch nicht darauf ein, den Werbeweisheiten anderer aufzusitzen, nicht auf die Pinterestästhetik des Schreibens.
Ich habe mich sehr lange und sehr gerne mit Tools (Apps) und Methoden auseinandergesetzt, mit denen man die eigene Produktivität steigern kann, oder sie einfach nur unterstützen. Im Internet entstand schon vor geraumer Zeit eine eigene Produktivitätsblase, die sich aus folgenden Interessensgruppen zusammensetzte:
Produktersteller und deren direkte Interessenten
Early Adopters
Produktivitätsgurus
Produkttrainer/Supporter
Diese Blase funktioniert im Übrigen ziemlich genauso wie die Selfpublisherszene, die sich über Instagram, Buchblogs, Tiktok, Threads ausbreitet:
Autoren/Selfpublisher
Deren direkte Interessenten:
Freiberufliche Lektoren
Freiberufliche Coverdesigner
Freiberufliche Sensitivity-Leser
„Street-Teams“ (Die sah ich zum ersten Mal bei einer deutschen SF-Autorin, die durchschnittlich schrieb, aber sehr viel von Marketing verstand)
Fanbase-Organisatoren, in denen es um Wichtigkeit und Bedeutung geht, die zwar nicht wirklich existieren, aber dauerhaft behauptet werden
Ich habe selbst gerne über die Auswahl meiner Tools geschrieben und geredet, egal ob analog oder digital. Und ich verfasse diesen Artikel, um kundzutun: Damit ist jetzt Schluss. Warum? Ich sag’s: Produktivität ist eine Falle, die mehr damit zu tun hat, sich zu beschäftigen, als etwas zu bewirken. Produktivitätsgurus vermitteln seit je her den Eindruck von Herumgewusel und weniger, wie man etwas auslöst, bewirkt und erledigt.
Das Marketing all dieser Apps ist hervorragend und ästhetisch und verspricht eine stylishe Steigerung der Produktivität. Inzwischen denke ich, dass die meisten dieser Tools den Charakter einer Kannenpflanze haben: Sie legen mehr Wert und Gewicht darauf, einladend zu wirken, zu motivieren, bei ihnen zu bleiben und sich mit ihnen zu befassen. Da geht es nicht mehr um echte Produktivität, sondern um eine Methode, stilvoll Zeit zu verplempern, indem man sich mit etwas befasst, das produktiv erscheint.
Es ist Spielzeug. Ein neues, schönes Spielzeug für junge Frauen und Männer, die sich dafür schämen, noch zu spielen, obwohl sie das so gerne tun. Spielen. Workspaces einrichten, Listen einrichten und abhaken, auf die schöne GUI schauen.
Die Lösung nach all den Irrungen und Wirrungen, mit und ohne Tools und Trödeln & Quasten ist ernüchternd einfach.
Es geht nicht um Produktivität, sondern um Effizienz
Entscheide jeden Tag neu, was wichtig ist und was nur so tut, als ob es wichtig wäre
Reihe Quick wins nach vor, um Motivation für Tätigkeiten zu haben, die umfangreicher sind
Pflastere den Tag nicht mit Aufgaben zu. Lass Dir Zeiträume offen, um zu faulenzen
Verzichte auf Tools & Apps, deren Bedienung selbst zu einer Aufgabe zu werden droht
Standardisiere Deine Tools. Die Individualität ergibt sich aus der Herangehensweise, nicht aus der Auswahl der Tools.
Nein, ich erzähle Euch nicht, was genau ich in meine Notizbücher schreibe, ob ich ein Konzept habe, wie ich sie nutze und ob ich meine Herangehensweise bisweilen überdenke. Zumindest nicht in diesem Posting.
Gestern Abend habe ich in meinen vollgeschriebenen Notizbüchern und abgelegten Refills von Paper Republic nach einer bestimmten Information gesucht. Eigentlich unwichtig, aber ich verbeiße mich dann immer so in eine Sache, dass ich nicht aufgebe, bis ich gefunden habe, was ich suche oder sicher bin, dass es in der Zeit verschüttet wurde. Gestern habe ich die gesuchte Information gefunden, eine kleine Erinnerungsnotiz in einem zerfledderten Notizbuch von 2012.
Und ich habe noch etwas gefunden. Die Erinnerungen daran, wo die Notizbücher mit mir schon überall gewesen sind: Das Zerfledderte war mit mir in Kroatien (Porec), in den Niederlanden (Haarlem, Amsterdam, Schiphol Rijk), Gran Canaria, Kuba. Es ist voller Schmierflecken (ich denke, von Sonnenmilch und Schweiß) und ich habe während der Nutzung öfter den Stift gewechselt. Andere Bücher waren in Polen, Ungarn, Rumänien, in Städten, auf dem Land, an Seeufern und in tiefen Wäldern.
In einem anderen habe ich Spuren von Sand gefunden, Eintrittskarten für eine Party in Havanna, Karten für die Seilbahn der Dachsteinsüdwand, Notizen über Radiosender, Musiker, Telefonnummern neben unleserlichen Namen, Listen mit Speisen, die wir zu Abend hatten, und abgegriffene Visitenkarten mit unleserlichen Notizen auf den Rückseiten. Es sind keine Notizbücher mehr, es sind Geschichtsbücher. Sie sind voller Leben, sie summen und vibrieren.
Anders als Noteapps, haben Notizbücher ein Leben. Sie sammeln es in den Jahren ein, in denen sie befüllt werden, und sie konservieren das Leben zwischen den Seiten, zwischen Buchdeckel und Buchrücken. Solange sie geschlossen sind, haben sie ein geheimes Leben und es offenbart sich, wenn man sie öffnet. Ein Notizbuch zu befüllen ist etwas anderes als Informationen in eine Noteapp zu clippen. Es ist ein Moment des „Ganz bei sich sein“, man schreibt nicht, um sich später zu erinnern, sondern um sich im Moment des Schreibens (Werbeslogan von Fieldnotes) zu erinnern.
Mein neues, altes Romanprojekt, nachdem ich den dritten Band der Elias-Trilogie beendet habe, begann ich vor der Trilogie und habe die Arbeit daran unterbrochen, weil ich mich verzettelt habe. Ursprünglich ist es eine SF-Geschichte, die so tut, als wäre sie in den Sechzigern geschrieben worden, also mit dem Wissensstand der Sechziger in Bezug auf unser Sonnensystem. Die Handlung spielt im Jahr 1981 – also in einem 1981, wie man es sich in utopischen Romanen früher so vorgestellt hat.
Buch 1
Die Franzosen bauen gemeinsam mit russischen Wissenschaftlern in einer geheimen Basis am Lac du Salagou in Frankreich eine geheime Raketenbasis und dort ein Raumschiff namens Bellerophon. Der französische Schüler Elias Beaumont stolpert bei einem misslungenen Selbstmordversuch in diese Basis, und zwar durch einen der „Feuerschächte“, durch die die brennenden Austrittsgase der startenden Rakete abgeleitet werden und wird von einem jungen Maschinisten gerettet. Da der Start vorverlegt wird, und die Basis hermetisch abgeschlossen wird, bleibt ihnen kein anderer Weg, als mit dem letzten Beladeroboter an Bord des Raumschiffs zu flüchten und mit ins All zu fliegen.
Grund für die Mission ist das, was die russische Venera-Sonde in den letzten Sekunden sendete, bevor sie aufhörte, Daten zu schicken. Die ersten Minuten der Übertragung ergeben ein Bild der Venus, wie man sie heute zu kennen meint: über 90 Atmosphären Luftdruck und rund 450 Grad Hitze. Das scheint aber ein Fehler im Computersystem der Sonde gewesen zu sein, denn in den letzten Sekunden öffnet sich das Verschluss-System der Kamera und man sieht für ein paar Augenblicke einen üppigen Dschungel voller sich umschlingender Pflanzen …
Auf der Reise, nachdem sie ertappt wurden und an Bord Aufgaben zugewiesen bekommen, entdecken Elias und sein Retter, der exilkubanische Soldat und Maschinist Kevin Yunior Aguilar, das Geheimnis des überragenden Computersystems der Bellerophon und müssen eine Entscheidung von enormer Tragweite treffen …
Buch 2
Der zweite Roman, den ich als Rahmenhandlung erzählen wollte, und den ich nun wirklich als eigenständigen Kurzroman schreiben möchte, erzählt die ebenso geheimnisvolle wie tragische Entstehungsgeschichte des ersten Romans: Ein altes schwules Ehepaar unternimmt mit dem Auto eine Europareise und als sie in Frankreich nahe der Gemeinde Celles, am Ufer des Stausees Lac du Salagou ein Haus anmieten, findet einer der beiden nicht nur einen Zeitungsartikel aus den Sechzigern, der sich mit der Literaturszene der SF-Autoren Frankreichs befasst, sondern auch unter einem Verschlag ein handgeschriebenes Manuskript. Er findet heraus, dass der Buchbinder und Verleger, der in den Sechzigern eine kleine Literatengruppe um sich geschart hat, des Mordes an einem der Schriftsteller beschuldigt, aber nie überführt werden konnte. Seine verwirrenden Aussagen zum Werk des ermordeten Schriftstellers wurden belächelt, lebten aber als Legenden weiter. Angeblich war der ermordete Schriftsteller in der Lage, Wirklichkeiten herbeizuschreiben und der Mord sollte ihn daran hindern, eine katastrophale Umdeutung der Wirklichkeit zu verfassen. Solange niemand das Werk des ermordeten Autors liest, geschieht nichts. Aber wehe, jemand liest sein letztes, verschollenes Manuskript …
In Wirklichkeit kann man ja zu jeder Jahreszeit schreiben, wenn man sich mal seine Routinen geschaffen hat. Und man kann überall schreiben, wenn man die Utensilien dabeihat und sich unabhängig macht von Ort und Werkzeugen. Also ich meine, man kann an einem See in den tiefen Wäldern Nordpolens sitzen und in ein Notizbuch schreiben oder in einem Stiegenhaus, mit dem Laptop auf dem Schoß. Man kann im Sommer in der größten Hitze schreiben und zusehen, wie einem der Schweiß von der Stirn direkt auf das Blatt Papier tröpfelt – hat auch was.
Ich mag den Herbst besonders gerne. Die Monate September bis November, wenn sich das Wetter beruhigt hat, wenn es kühler wird, das Laub im Nebel leuchtet – das ist die Zeit, in der ich besonders gerne schreibe. Das ist die Jahreszeit, die ich am intensivsten mit dem Wort „Literatur“ in Verbindung bringe.
Der Herbst ist zum Lesen da und zum Schreiben. Es ist auch die Zeit, sich auf den Winter vorzubereiten, öfter zu Hause zu bleiben und das „Angesammelte“ zu genießen; die Früchte der Ernte.
Ich schreibe nun intensiver an meinem aktuellen Romanprojekt. Den Arbeitstitel habe ich von „Im September“ in „Eine toskanische Geistergeschichte“ geändert und ich glaube, unter diesem Titel werde ich es voraussichtlich nächstes Jahr im Frühjahr meinem Verleger anbieten.
Im Herbst einen Roman über unheimliche, über tragische und schöne Ereignisse in der Toskana zu schreiben, hat etwas vom wohligen Gefühl, sich eine Decke über die Schultern zu ziehen und an einer Tasse heißen Tee zu nippen, während draußen das Laub aus den Bäumen rieselt.
Okay, es kann auch ein frisch gezapftes Bier sein …
Klicke mich gerade durch ein paar Urlaubsfotos auf Instagram und denke: Irgendwo tanzt immer irgendjemand bis zum Morgengrauen. Ein gut aussehender Influencer postet Urlaubsbilder aus Jalé, Albanien, und das scheint der neue, heiße Scheiß zu sein. Drei Postings vorher war er in Opatia, das ist zwar alter Scheiß, aber immer noch gut, ähnlich wie Piran in Slowenien. Draußen wirft der Wind Regen an die Scheiben; insgesamt tut der frühe Herbst der Seele gut, wie kühle Seide auf erhitzter Haut.
Ja, es herbstelt leise vor sich hin und das Wetter hatte die frühherbstliche Stille und Qualität, die sich sehr gut mit mildem Kaffee und frisch gezapften Bier verträgt. Die Weiterarbeit an meinem Romanprojekt Im September umkreise ich wie eine Katze eine Schüssel voll heißer Milch. Wie es weitergeht, weiß ich, habe aber wieder einmal das Gefühl, dass die reine Idee an und für sich nicht tragfähig genug ist, um einen Roman zu stützen. Ich vermute, ich erleide gerade wieder einen dieser literarischen Schwächeanfälle, die mich an allem zweifeln lassen. Geht mir eh bei jedem Romanprojekt so. Dabei ist es bei diesem Projekt ein wenig anders: Die Geschichte ist nicht handlungsgetrieben, sondern erkenntnisgetrieben. Es ist das „Wie“: Wie die Erkenntnisse eingefügt und erlebt werden, und was sie bei den beiden Protagonisten bewirken, deren einzige Verbindung die Trauer über den Tod geliebter Menschen ist. Und wie aus diesen Erkenntnissen für die beiden Senioren Lebensfreude wächst. Das mag zwar nur wenig aktionsgesteuert sein, kann aber doch auf sehr schöne Art funktionieren, wenn ich mich dazu durchringen könnte, endlich weiterzuschreiben, ich fauler Sack.
Die Elias-Trilogie ist fertig, der dritte Band mit dem Titel Du bist der Totem ist nun im Handel erhältlich und ich lade Euch alle ein, den dritten Band zu lesen, wenn Ihr schon Du warst der Plan und Auf dieser Frequenz gelesen habt. Begleitet Elias Mataanoui auf seiner Reise durch Afrika bis ins Nest von Le Fantom. Ich denke, die Trilogie schließt würdig ab und ist wirklich zu Ende erzählt.
Anmerkung: Für die Coverfotos war ursprünglich angedacht, Fotos von zwei Wiener Influencern zu verwenden, und zwar von zwei durchaus erfolgreichen Burschen namens Stefan und Elias, die für mich als Vorbilder für die beiden Hauptrollen der ersten beiden Romane Pate standen. Ich habe beide kontaktiert und sie darum ersucht, mir zu erlauben, je ein Foto von ihnen für die Umschlaggestaltung nutzen zu dürfen – mit Erklärung, worum es in den Romanen geht und wie groß, bzw. klein die zu erwartende Auflage sein wird.
Ich habe bis heute von beiden keine Antwort erhalten.
Bei Richard und mir steht für heuer noch eine Woche in Alicante an. Diesmal mit der Familie. Wieder in einem Privatquartier in der Altstadt, nahe beim Hafen und der Playa Postiguet.