Die Vorbereitungen für die Leserunde zu Cyborg me sind abgeschlossen und wir fangen demnächst an, gemeinsam das Buch zu lesen. Also die Leser, die teilnehmen, lesen es, und ich freue mich schon sehr auf die angeregten Diskussionen zu den einzelnen, doch recht kurzen Kapiteln.

Als nächste Publikation steht mein Roman Piero X auf dem Plan. Das Buch soll 2023 erscheinen, und die letzte Information des Verlags war, dass es im Frühjahr herauskommen soll.

Piero X ist mit Sicherheit der Roman, an dem ich am längsten gearbeitet habe, der am öftesten umgeschrieben, geändert und komplett neu zusammengeklöppelt wurde. Der Ursprung des Romans ist eine Novelle, die ich vor rund 15 Jahren schrieb, und in der ich die tragisch-grausame Geschichte von zwei Jungs erzähle, die in der Hitze eines Sommers auf dem Land, Ende der Siebziger Jahre, Freunde werden und immer tiefer in Gewalt und Wahn abdriften. Die Geschichte Mistah Zumbee erschien in der Anthologie, Wo die verlorenen Worte sind, im AAVAA Verlag im September 2011. Obwohl ich mit dieser doch schockierend brutalen Geschichte immer sehr zufrieden war, hatte ich immer das Gefühl, dass ich sie nicht abgeschlossen hatte. Mir fehlte die Verortung des Bösen, das von den beiden Jugendlichen Besitz ergreift, und damit die griechische Tragödie, die durch die Nähte und dünnen Stellen der Geschichte schimmert.

Den AAVAA-Verlag gibt es nicht mehr, und wenn Ihr irgendwo noch eine Ausgabe der Kurzgeschichtensammlung ergattern könnt, dann macht das. Es sind ein paar Geschichten drin, auf die ich sehr stolz bin. Nicht zuletzt deshalb, weil einige von ihnen eng verzahnt sind mit anderen, zum Teil bereits veröffentlichten Werken:

  • Der Radfahrer ist natürlich eine Geschichte aus der Welt der Kuba-Trilogie, mit besonders engem Bezug zu Der Falke im Sturm
  • Mistah Zumbee ist der zweite Teil eines Romans, der 2023 erscheinen wird: Piero X
  • Erinnerungen auf die Welt werfen gehört zu einer losen Abfolge von Geschichten und Romanideen, die ich unter „Der stille Planet“ zusammenfasse. Es gibt einen Kurzroman, der in diesem Erzähluniversum spielt, den ich vielleicht Ende nächsten Jahres veröffentlichen lassen will
  • Nibis Amida blickt zur Erde ist direkt mit Die Inseln im Westen verzahnt. Nibis Amida ist der Sohn von Arturo Gonzales und einer Außerirdischen. Und gleichzeitig der Fiebertraum eines erfolglosen deutschen Schriftstellers, der zurückgezogen auf der Insel Usedom lebt.

Jedenfalls machte ich mich vor rund fünf Jahren an die Arbeit, die Vorgeschichte von einem der beiden Protagonisten zu erzählen, und die Geschichte führte mich zurück in meine eigene Kindheit, in das Wien Mitte der Siebziger, in den zweiten Bezirk von Wien, in eine große Familie, zu Freunden und Hinterhöfe, dunkle Geheimnisse und Kleinkriminalität im Wiener Prater. Ich fand die Geschichte gut; sie war länger als Mistah Zumbee und ich nannte sie Mistah X. Erst später, als Sewastos Sampsounis vom Größenwahn-Verlag die Geschichte veröffentlichen wollte und wir gemeinsam an der Überarbeitung schraubten, wurde Piero X daraus. Da kamen wir auch drauf, dass es der in der Geschichte pulsierenden Spanungskurve guttun würde, wenn wir die Trennung von Geschichte 1 und Geschichte 2 aufheben und sie miteinander verschränken. So entstand diese gruselige und zum Teil schockierende Geschichte über Kinderfreundschaft und Verlust, Orientierungslosigkeit, Wahn und Gewalt.